Frankfurt am Main, 11. März 2019. Ende der Woche findet in Berlin der Deutsche Pflegetag statt. Wie jedes Jahr kommen dann wieder 8.000 Besucher zusammen, um die Zukunft der Pflege in Deutschland zu gestalten. Abseits der Bundeshauptstadt nimmt das Thema Pflege ebenfalls immer mehr Fahrt auf. Auch die neue Landesregierung in Wiesbaden plant in ihrem Koalitionsvertrag diverse Maßnahmen, um die pflegerische Versorgung im Hessen zu sichern. Dass Schwarz-Grün beabsichtigt, hier einen Handlungsschwerpunkt für die kommenden fünf Jahre zu setzen, ist aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) sehr zu begrüßen. "Die Stärkung der Pflege wird eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre. Gesellschaft, Politik und Gesundheitswesen müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, um einen akuten Pflegenotstand abzuwenden", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.

Zur Fachkräftegewinnung hat sich die Landesregierung z.B. vorgenommen, bereits ausgebildete Pflegekräfte, die mittlerweile in anderen Berufen arbeiten, wieder für den Pflegeberuf zurückzugewinnen. "Es ist ein sehr guter Ansatz, dass sich die neue Landesregierung nicht nur dafür einsetzen will, Berufsanfänger für den Pflegeberuf zu begeistern, sondern auch plant, die Situation für bereits ausgebildete Pflegekräfte zu verbessern", so Voß. Die Verweildauer in den Pflegeberufen ist gering. Altenpfleger verbleiben durchschnittlich nur 8,4 Jahre in ihrem Beruf; Krankenpfleger 13,7 Jahre. "Es reicht aus unserer Sicht nicht, nur das Gehalt von Pflegekräften zu erhöhen. Auch die Arbeitsbedingungen in Kliniken und Pflegeheimen müssen sich verändern, damit das Personal länger im Beruf bleibt und Aussteiger sich motiviert fühlen, in den Beruf zurückzukehren. Der Koalitionsvertrag setzt hier also bereits wichtige Impulse. Nun müssen schnell konkrete Maßnahmen folgen", so Voß. Im Vertragswerk wird ausdrücklich hervorgehoben, dass in der Pflege in hessischen Krankenhäusern und Pflegeheimen künftig auch digitale Tools zum Einsatz kommen sollen. "In der Debatte um die Digitalisierung im Gesundheitswesen gilt die Pflege noch immer als Nischenthema. Es ist also bemerkenswert, dass die Landesregierung in diesem Bereich bereits die Digitalisierung mitdenkt."

Der Koalitionsvertrag hat auch pflegende Angehörige im Blick. In Hessen werden gut drei Viertel aller Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen versorgt. "Einen Menschen zu pflegen ist oftmals sehr belastend und kann die eigene Gesundheit stark beeinträchtigen. Es ist deshalb zu begrüßen, dass die Landesregierung mehr Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige schaffen will", so Voß. In Bezug auf die häusliche Pflege findet sich im Koalitionsvertrag aber kein Verweis auf die Digitalisierung. "Doch auch in diesem Bereich gibt es zahlreiche digitale Hilfsmittel, mit denen pflegende Angehörigen unterstützt werden können. Beispielsweise gibt es bereits Sensoren, die automatisiert Stürze melden oder elektronische Pflaster, die den Flüssigkeitsbedarf des zu Pflegenden ermitteln. Es wäre wünschenswert, wenn in diesem Bereich vom Land mitfinanzierte Modellprojekte auf den Weg gebracht werden", erklärt Voß.

Hintergrund für Redaktionen

Die TK hat für pflegebedürftige Versicherte und pflegende Angehörige bereits digitale Unterstützungsangebote etabliert, dazu gehört der digitale Pflegekurs (www.tkpflegecoach.de) ebenso wie ein Online-Angebot für Angehörige in Belastungssituationen (www.pflegen-und-leben.de).