Münster, 22. Februar 2019. In Deutschland sind rund 3,41 Millionen Menschen pflegebedürftig. Gut drei Viertel von ihnen werden zu Hause versorgt - 1,76 Millionen durch Angehörige. Einen pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Umfeld zu betreuen, ist meist zeitintensiv und kann belastend sein. Um pflegende Angehörige zu unterstützen, hat die "Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland e. V. - "wir pflegen" die App "in.kontakt" entwickelt. Sie vernetzt Betroffene untereinander und ergänzt klassische Selbsthilfeangebote vor Ort. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Techniker Krankenkasse (TK) in Nordrhein-Westfalen (NRW) unterstützen und fördern das einzigartige Konzept.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Habe höchsten Respekt vor pflegenden Angehörigen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt dazu in seinem Grußwort: "Vor der Leistung der pflegenden Angehörigen in unserem Land habe ich höchsten Respekt. Sie sorgen aufopferungs- und liebevoll für ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder. Die neue App, die maßgeblich von der Selbsthilfe entwickelt wurde, will genau hier helfen. Sie gibt nützliche Informationen und hilft pflegenden Angehörigen, sich in einem Netzwerk miteinander auszutauschen und stark zu machen."

Digitalisierung - neue Möglichkeiten für die Selbsthilfe 

Die Pflegebereitschaft in Deutschland ist groß: 86 Prozent sind grundsätzlich dazu bereit, nahe Angehörige mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage "Meinungspuls Pflege" der TK. "Auch wenn die Bereitschaft hoch ist, geraten Menschen, die den Ehepartner oder die Eltern pflegen, irgendwann an ihre Grenzen. Oft hilft dann der Austausch mit anderen Betroffenen. Dabei spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle. 
Von daher begrüßen wir, dass 'wir pflegen e. V.' diesen digitalen Weg zukünftig geht. Gerne unterstützen und fördern wir deshalb ihre Arbeit", sagt Ulrich Adler, Leiter regionales Vertragswesen der TK in NRW. Die Katholische Hochschule NRW evaluiert das auf drei Jahre ausgelegte Projekt.  

Online-Portal ergänzt bestehende Selbsthilfeangebote 

"Für viele pflegende Angehörige ist das Internet das 'Tor zur Welt' und ein Weg, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Wer einen lieben Menschen pflegt, kommt oft nicht aus dem Haus. Die App 'in.kontakt' ist speziell auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen zugeschnitten und damit im besten Sinne Hilfe zur Selbsthilfe", erklärt Susanne Hallermann, Projektkoordinatorin von "wir pflegen NRW e.V.". Die App ermöglicht den Austausch jederzeit und ortsunabhängig.

in.kontakt App - sicherer und geschützter Austausch im Netz

Die Firma zone35 unterstützt den Verein "wir pflegen e. V." bei der technischen Entwicklung und Umsetzung der App. "Die Digitalisierung in der Selbsthilfe hat das Potential, auch junge Menschen zu erreichen und zu motivieren. Die von uns entwickelte Baukastenlösung darf sich in diesem Projekt bewähren. Sie ist ein sicherer und geschützter Ort für den Austausch. Die App kann als Leuchtturmprojekt für weitere Themengebiete wie z. B. chronische Erkrankungen wegweisend sein“, sagt Andreas Wimmer, Geschäftsführer von zone35. Die Anwendung läuft auf Smartphones und Tablets (Android und iOS).

Hintergrund für die Redaktionen

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen in Deutschland zum Thema Pflege. Informationen zu Pflegekursen gibt es unter dem Webcode 2040118. Unter dem Webcode 019468 hat die TK zudem alle Informationen zur Pflegeversicherung zusammengestellt.


Die App in.kontakt wurde im Rahmen des Modellprojekts "Online Selbsthilfe Initiativen für pflegende Angehörige" (OSHI-PA) entwickelt. Das Projekt sieht die Ergänzung und Erweiterung des bereits bestehenden Selbsthilfeangebots für pflegende Angehörige durch die Entwicklung onlinegestützter virtueller Selbsthilfe und den Einsatz neuer Medien vor. Gestartet ist OSHI-PA Anfang 2018 mit Workshops, in denen Experten pflegende Angehörige befragten, um ihre Bedarfe zu ermitteln. 

Zahlen der pflegebedürftigen Menschen: Statistisches Bundesamt