Hamburg, 16. April 2019. Knapp 65.000 Hamburger haben 2017 Leistungen aus der Pflegeversicherung bezogen. Innerhalb von nur 10 Jahren ist die Zahl derer, die Leistungen empfangen, um 20.000 gestiegen (2007: rund 43.000). Mit einem Anteil von 3,4 Prozent Leistungsempfängern an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2017 liegt Hamburg aber unter dem bundesweiten Schnitt (4,1 Prozent). Auch die Zahl der Beschäftigten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen steigt kontinuierlich an: In der Hansestadt arbeiteten dort 2017 insgesamt rund 25.000 Mitarbeiter - das sind knapp 6.000 mehr als 2007. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg mit und beruft sich dabei auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts.

In der Metropole an der Elbe werden die Pflegekräfte dringend benötigt. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, sagt: "Das übergreifende Ziel muss sein, den Pflegeberuf insgesamt attraktiver zu machen. Ein entscheidender Schritt war es, die Ausbildungswege vom Schulgeld zu befreien. Wir müssen aber auch an die denken, die jetzt schon in der Pflege tätig sind: Es gilt, auch ihre Arbeitsbedingungen kritisch zu betrachten. Dafür brauchen wir ein ganzes Bündel von Maßnahmen - einen Masterplan für die Pflegeberufe."

Digitale Helfer für die Pflege

Der Löwenanteil in der Pflege wird immer noch von Angehörigen und ambulanten Pflegediensten in der eigenen Häuslichkeit geleistet. Die TK möchte pflegende Angehörige entlasten und setzt dabei auch auf digitale Lösungen. "Intelligente Notfallsysteme und Sturzsensoren können die Pflege zu Hause unterstützen. Diese Lösungen werden allerdings derzeit noch nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt. Aus unserer Sicht muss sich das ändern", so Puttfarcken. Technische Assistenzsysteme könnten dazu beitragen, dass Pflegebedürftige länger selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. Dieser Aspekt ist auch Teil des Hamburger Leuchtturmprojekts NetzWerk GesundAktiv (NWGA).

Auch für pflegende Angehörige gibt es bei der TK digitale Unterstützung: Der interaktive TK-PflegeCoach bietet verschiedene Module, unter denen die Teilnehmer die passenden frei auswählen können. Sie lernen zum Beispiel, sich besser in die Pflegesituation hineinzuversetzen, eine bedarfsgerechte Pflegeumgebung zu gestalten und wie man eigene körperliche und psychische Belastungen reduzieren kann. "Der TK-PflegeCoach unterstützt pflegende Angehörige dabei, die mit der Pflege einhergehenden Herausforderungen besser zu meistern. Er ist ein zeit- und ortsunabhängiges Angebot. Pflegende Angehörige können die Unterstützung auswählen, die sie wirklich brauchen", sagt Puttfarcken.

Prävention für Pfleger und Gepflegte

Mitarbeiter in Pflegeheimen leiden häufig unter dem Fachkräftemangel und unter belastenden Arbeitsbedingungen. Das kann sich auch auf die Pflegebedürftigen auswirken. Für Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeheimen hat die TK ein Präventionsprogramm PROCARE entwickelt. Dazu gehören Maßnahmen zur Gesundheitsförderung für Mitarbeiter, aber auch gezielte Präventionsmaßnahmen für die Pflegebedürftigen - in den Bereichen Bewegung, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden. Das Projekt umfasst bundesweit mehrere Standorte, darunter auch im Großraum Hamburg, und wird nach 36 Monaten wissenschaftlich evaluiert.