Hannover, 25. Juni 2019. 87 Prozent der Norddeutschen, mit Pflegebedarf, wollen weiterhin in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Ein Sturz kann diese Unabhängigkeit jedoch abrupt beenden oder stark einschränken. Eine Studie zeigt, dass fast jeder zehnte Pflegebedürftige - innerhalb eines beobachteten Zeitraums von zwei Wochen - stürzt. Hier setzt das Projekt “Sicher Zuhause“ an. Für das Pilotprojekt von der Techniker Krankenkasse (TK) und Philips erhalten teilnehmende TK-Versicherte ein innovatives Hausnotrufsystem mit einer Basisstation und einem um den Hals zu tragenden Funksender. “Mit Hilfe von “Sicher Zuhause" sollen Gesundheitsrisiken, die zu Stürzen führen können, bei Pflegebedürftigen bereits im Vorfeld erkannt und Krankenhauseinweisungen vermieden werden“, erklärt Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen.

Funktion

Die im Funksender integrierten Sensoren erkennen einen Sturz und lösen einen automatischen Notruf aus. Innerhalb kürzester Zeit meldet sich ein Mitarbeiter der Hausnotrufzentrale. Je nach Bedarf werden Nachbarn, Angehörige oder ein Notarzt verständigt.

Selbstlernendes System

“Mit "Sicher Zuhause" gehen wir aber noch einen großen Schritt weiter. Wir nutzen die Chancen der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz (KI), damit es nach Möglichkeit erst gar nicht zu einer Krankenhauseinweisung kommt“, so Holldorf.

Zu Beginn der Studie wird von speziell geschulten Gesundheitsberatern die persönliche Situation der Teilnehmer erfasst. Dazu gehören die Krankengeschichte ebenso wie der übliche Tagesablauf und die Medikation. Dann wird geschaut, ob die von dem Funksender übermittelten Daten zu dem Profil der Teilnehmer passen.

Ein selbstlernender Algorithmus ermittelt tagesaktuell einen Risikowert. Damit lassen sich Anzeichen für eine Verschlechterung rechtzeitig erkennen. Die Gesundheitsberater nehmen dann Kontakt auf, um sinnvolle präventive Maßnahmen wie Krankengymnastik, einen Arztbesuch oder eine Pflegeberatung vor Ort zu besprechen. 

"Pflegebedürftigkeit und ein möglichst selbstständiges Leben dürfen sich nicht ausschließen. Das Projekt "Sicher Zuhause" zeigt, wie digitale Lösungen und künstliche Intelligenz die Eigenständigkeit im Alter unterstützen können", betont Holldorf. Zudem würden Pflegende entlastet und Angehörigen ein Teil ihrer Sorgen genommen.

Studie

Die achtmonatige Studie wird mit 500 Teilnehmer durchgeführt. Teilnehmen können alle TK-Versicherten ab Pflegegrad 1, die Anspruch auf ein Hausnotrufsystem haben. Es besteht noch die Möglichkeit der Teilnahme.

Die Teilnehmer werden kostenfrei mit dem Hausnotrufgerät von Philips ausgestattet, das sie nach Ablauf der acht Monate behalten und weiterverwenden können.
Den Antrag zur Teilnahme an der Studie nimmt Philipps entgegen. Mehr dazu unter www.philips.de/sicherzuhause  oder unter der Projekt-Hotline 0800 - 567 7000.

Hinweis für die Redaktion

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland zum Thema Pflege.
Unter den Begriff Norddeutschland werden die Länder Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst.

Studie zur Häufigkeit der Stürze: A. Rommel, J. Kottner, R. Suhr, N. Lahmann: Häufigkeit von Stürzen unter Klienten ambulanter Pflegedienste in Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 1, 2019