"Längst wissen wir, dass nicht jeder physische Arztbesuch notwendig ist und der Aufenthalt in einem Wartezimmer immer die Gefahr birgt, sich bei anderen Patienten anzustecken", betont Simone Hartmann, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen. "In ausgewählten Pflegeeinrichtungen in Sachsen testen wir momentan die Patientenbetreuung per Videosprechstunde. Dort kommt diese Lösung gerade in der jetzigen Zeit sehr gut an."

Generell dürfen Ärzte derzeit ihre Patienten einfacher per Video behandeln. Im Normalfall können Ärzte und Psychotherapeuten pro Quartal nur maximal jeden fünften Patienten ausschließlich per Video behandeln. Auch durften bislang insgesamt nur 20 Prozent der Leistungen eines Arztes per Videosprechstunde erbracht werden. Diese Beschränkungen sind aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus derzeit ausgesetzt. 

Zusätzlich besteht im Moment die Möglichkeit, dass Patienten, die über leichte Erkrankungen der oberen Atemwege klagen, per Telefon von ihrem Arzt für bis zu sieben Tage krankgeschrieben werden können.

Videosprechstunde wird sich durchsetzen

Auch unabhängig von der aktuellen Situation wird sich die Videosprechstunde auf absehbare Zeit durchsetzen, weil sie für die Patienten praktisch ist. "Wer eine Erkältung oder eine leichte Magen-Darm-Verstimmung hat und deshalb eine Krankmeldung für den Arbeitgeber benötigt, wird künftig eher die Videosprechstunde in Anspruch nehmen", zeigt sich Hartmann überzeugt. Auch in den Arbeitsalltag ließe sich eine Videosprechstunde besser integrieren als ein physischer Arztbesuch, z. B. um sich ein Folgerezept ausstellen zu lassen oder um ein Nachsorge-Gespräch mit dem Arzt zu führen.

Technik vorantreiben

Immer mehr Ärzte schätzen aktuell die Vorteile der Videosprechstunden. Das zeigt sich an den aktuellen Meldungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Allein im März 2020 verzeichnete die KBV 19.500 Anzeigen von Ärzten zur Videosprechstunde. Das sind 1.047 Prozent mehr als im Januar und Februar dieses Jahres.

Sachsen hat mit der Aufhebung des Fernbehandlungsverbots bereits 2018 als eines der ersten Bundesländer den Weg für Videosprechstunden geöffnet. Zahlreiche Akteure im sächsischen Gesundheitswesen sind aufgeschlossen, diese Technik weiter voranzutreiben.