Hamburg, 20. Dezember 2019. Pflegekräften werden überdurchschnittlich viele Magenmedikamente verschrieben. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) "Pflegefall Pflegebranche? So geht es Deutschlands Pflegekräften". Während der Durchschnitt der Berufstätigen 2018 
pro Kopf 19 Tagesdosen erhielt, wurden Altenpflegekräften 31 Tagesdosen dieser Medikamente verschrieben - eine Differenz von 60 Prozent. Krankenpflegekräfte erhielten im Schnitt 24 Tagesdosen. Das sind immerhin noch 24 Prozent mehr als der Durchschnitt aller Berufstätigen.

Magenmedikamente gegen Nebenwirkungen von Schmerzmitteln

"Die Gründe für das hohe Verschreibungsvolumen bei Pflegekräften sind nicht ganz klar", so Vera Unsal, Expertin aus dem Gesundheitsmanagement bei der TK. Eine Erklärung wäre, dass Magensäureblocker in der gängigen Verordnungspraxis auch oft prophylaktisch als Magenschutz bei der gleichzeitigen Einnahme von Schmerzmitteln verordnet werden. "Nach Berechnungen zum Gesundheitsreport erhielt etwa die Hälfte der TK-versicherten Erwerbspersonen, denen innerhalb des Jahres 2018 Magensäureblocker verschrieben wurden, im selben Jahr auch entzündungshemmende Schmerzmittel", so Ünsal. "Pflegekräfte haben einen anstrengenden, körperlich belastenden Job. Die Folge sind häufig Fehlhaltungen und daraus resultierende Rückenschmerzen und Bandscheibenprobleme oder andere Erkrankungsbilder. Die Zahlen lassen deshalb vermuten, dass viele Pflegekräfte Medikamente nehmen, um ihren Arbeitsalltag besser zu überstehen." 

Pflege geht auf Rücken und Psyche

Dass Pflege beispielsweise auch auf Psyche und Kreuz gehen kann, zeigen auch die anderen Ergebnisse des Reports. Demnach sind Muskelskeletterkrankungen in der Pflegebranche Grund Nr. 1 für Fehlzeiten. Menschen in Pflegeberufen fehlten durchschnittlich 4,8 Tage wegen Krankheiten des Bewegungsapparats. Beim Durchschnitt der Beschäftigten waren es 2,6 Tage. Das sind 83 Prozent weniger. Und während berufsübergreifend jeder Beschäftigte durchschnittlich 2,5 Tage letztes Jahr aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben war, beliefen sich die Fehltage in den Pflegeberufen auf durchschnittlich 4,6 Tage.

Vera Ünsal: "Es kann nicht sein, dass viele Pflegekräfte ihren Arbeitsalltag nur unter Schmerzen bestehen. Wir müssen dafür sorgen, dass Pflegekräfte in einem Umfeld arbeiten, das nicht krank macht." 

Dabei kann Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eine wichtige Rolle spielen. Die TK unterstützt Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser mit individuellen Angeboten aus den Bereichen Bewegung, Stressreduktion und Entspannung. Aber auch berufsspezifische Themen werden aufgegriffen, zum Beispiel der besondere Umgang mit Demenzpatienten in der Pflege. "Wichtig ist, dass das Konzept nachhaltig ist und die Einrichtungen das Angebot in ihrem Pflegealltag umsetzen können", so Ünsal.

TK-Modellprojekte mit Universitäten zum BGM in der Pflege

Modellprojekt PROCARE

Mit dem Projekt PROCARE entwickeln Wissenschaftler an sieben Universitäten aus ganz Deutschland ein Präventionsprogramm für Pflegeeinrichtungen, das sich an Pflegekräfte und Pflegebedürftige wendet. Dazu arbeiten sie bundesweit sehr eng mit zurzeit 30 Pflegeeinrichtungen zusammen. Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens für wirksame und nachhaltige Prävention.

Modellprojekt CaRe source

CaRe source ist ein Projekt für die stationäre Pflege unter der Leitung der TU München, mit besonderem Fokus auf Menschen mit Demenz. Mit dem Projekt sollen zum einen körperliche und soziale Belastungen der Pflegekräfte reduziert werden. Zum anderen geht es auch um die Steigerung der Lebensqualität der Bewohner durch ein spezielles Bewegungsprogramm.

Modellprojekt PEKo

Das Gewaltpräventionsprojekt PEKo wird bundesweit in Zusammenarbeit mit mehreren Hochschulen an 40 stationären Einrichtungen durchgeführt. Pflegende werden für das Thema "Gewalt in der Pflege" sensibilisiert und erhalten praxisorientierte Unterstützung für den Pflegealltag. 

Hinweis für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2019 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,2 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Die Daten aller TK-Gesundheitsreporte  stehen online unter tk.de, Suchnummer 2034298. Im TK-Fehlzeiten-Tool lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.