In Berlin und Brandenburg leben laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes knapp 230.000 pflegebedürftige Personen. Mehr als drei Viertel von ihnen werden im häuslichen Umfeld, fast die Hälfte von Angehörigen gepflegt.

Susanne Hertzer

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 "Die Pflege ist für Angehörige und Freunde nicht selten ein Fulltimejob - die Pflegenden leisten einen bedeutenden Beitrag für die Versorgung. Daher ist es wichtig, bessere Bedingungen für die Pflege in den eigenen vier Wänden zu schaffen und insbesondere die pflegenden Angehörigen zu unterstützen."

Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin/Brandenburg

Der aktuelle Meinungspuls Pflege 2018 beleuchtet sowohl die Situation der Pflegebedürftigen als auch der pflegenden Angehörigen. Forsa hat hierzu im Auftrag der TK im April 2018 bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen in Deutschland befragt.

Pflegebereitschaft in Berlin und Brandenburg groß

87 Prozent der Berliner und Brandenburger können sich vorstellen, ihre Eltern oder den Lebenspartner mehrere Stunden pro Woche zu pflegen. Wenn es darum geht, für die Pflege beruflich kürzer zu treten und die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren, liegt die Bereitschaft der Menschen in der Region bundesweit sogar fast an der Spitze. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) halten das persönlich für denkbar. Nur in Bayern sind dies mit 69 Prozent noch mehr.

Beruf­lich kürzer treten, um zu pfle­gen?

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Zwischen den Regionen in Deutschland ist die Bereitschaft, für die Pflege im Job kürzer zu treten, unterschiedlich ausgeprägt: Während in Berlin/Brandenburg und Bayern über zwei Drittel bereit wären, ihre Wochenstunden zu reduzieren, sind es in Baden-Württemberg sowie in Norddeutschland  (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern) nur knapp die Hälfte (47 bzw. 50 Prozent). Dafür könnten sich 14 Prozent der Baden-Württemberger vorstellen, für die Pflege den Job ganz aufzugeben. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 6 %.

Sechs Prozent der Befragten in der Hauptstadt und der Mark könnten sich vorstellen, ihren Job für die Pflege eines Angehörigen ganz aufzugeben. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) würde in Erwägung ziehen, eine längere berufliche Auszeit zu nehmen.

Wunschvorstellung: Zu Hause alt werden

Wenn es um die eigene Pflege geht, sind sich 76 Prozent der Berliner und Brandenburger einig: Sie möchten zu Hause gepflegt werden. Immerhin 61 Prozent können sich vorstellen, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Auf Platz drei landet die Möglichkeit, sich bei Angehörigen in deren Zuhause pflegen zu lassen.

Unterstützung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige benötigen Unterstützung. Das kann durch herkömmliche Angebote wie Pflegekurse zu Hause geschehen, aber auch durch digitale Anwendungen. So bietet das Portal pflegen-und-leben.de. eine individuelle psychologische Begleitung für Pflegende durch speziell ausgebildete Psychologinnen.

Smarte Pflege - digitale Angebote nutzen

Neue digitale Angebote können pflegende Angehörige entlasten und die Selbstständigkeit der zu Pflegenden erhöhen. Smart-Home-Lösungen - von Sensoren, die Stürze melden, bis hin zu Sprachassistenten - sollten deshalb als Bestandteil "wohnumfeldverbessernder Maßnahmen" in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufgenommen werden. Die Akzeptanz für diese smarte Unterstützung ist auch bei den Menschen in Berlin und Brandenburg groß: Neun von zehn würden im Alter digitale Technologien nutzen, zum Beispiel Sensoren, die das morgendliche Aufstehen oder Stürze registrieren.

Fachkräfte im Beruf halten

Durchschnittlich arbeiten Fachkräfte lediglich rund acht Jahre in der Alterspflege und circa 14 Jahre in der Krankenpflege. Zudem sind viele Beschäftigte in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen tätig. Um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken, müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege für Einsteiger und bereits aktive Pflegekräfte verbessert werden. Das erwarten fast alle befragten Menschen in Berlin und Brandenburg.

Die Stärkung der Pflege in Deutschland ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. In den "Masterplan Pflegeberufe" müssen neben Bund, Ländern und Kommunen auch öffentliche und private Kostenträger sowie die Leistungserbringer und -träger eingebunden werden, außerdem die Tarifpartner.