Hannover, 14. Dezember 2021. Der Anspruch auf sog. Entlastungsleistungen wird von vielen Pflegebedürftigen in Niedersachsen nicht genutzt. Menschen, bei denen eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde, haben bei häuslicher Versorgung Anspruch auf einen bis zu 125 Euro hohen monatlichen Entlastungsbetrag. Eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) verdeutlicht: Nur etwa die Hälfte der anspruchsberechtigten Pflegebedürftigen in Niedersachsen (54,7%) nutzen diesen. Jedoch zeigt sich aktuell, dass 2020 die Inanspruchnahme im Vergleich zum Vorjahr um 11,9 Prozentpunkte angestiegen ist. 

Dazu sagt der Leiter der TK-Landesvertretung Niedersachsen, Dirk Engelmann: "Wir wollen dazu beitragen, dass die Entlastungsleistungen mehr Aufmerksamkeit erhalten. Mit besserer Information kann die Inanspruchnahme erhöht und somit die häusliche Versorgung von Pflegebedürftigen auch mit alltagsnahen Dienstleistungen verbessert werden."

Der Entlastungsbetrag kann für Aufwendungen eingesetzt werden, die im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme der Leistungen eines zugelassenen Pflegedienstes (sogenannte Pflegesachleistungen) oder für Tages- und Nachtpflege sowie Kurzzeitpflege entstehen. Außerdem kann der Betrag für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag genutzt werden.

In Niedersachsen sind das unter anderem Betreuungsangebote (z. B. Begleitung zu Arztterminen), Angebote zur Pflegebegleitung und zur Entlastung der Angehörigen sowie zur hauswirtschaftlichen Unterstützung (z. B. Wocheneinkauf). 

Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, ist die Rechnung über die beanspruchte Leistung der Pflegekasse vorzulegen. Bisher nicht verwendete Beträge für die Entlastungsleistungen 2021 können noch bis zum 30. Juni 2022 genutzt werden.

Mehr Flexibilität statt Bürokratie

Erschwert wird die Inanspruchnahme der Leistungen allerdings dadurch, dass es sich bei dem Entlastungsbetrag bisher um ein Monatsbudget handelt. Wenn die Kosten einer Leistung 125 Euro im Monat übertreffen, müssen mehrere Monatsbeträge angespart werden. Deshalb empfiehlt Dirk Engelmann eine Auszahlung eines Jahresbetrages in Höhe von 1.500 Euro. "Ein Jahresbudget gibt mehr Flexibilität, um den individuellen Bedürfnissen der pflegebedürftigen Personen entgegenzukommen und darauf kommt es an", so Engelmann. 

Unterstützung für pflegende Angehörige 

Etwas mehr als die Hälfte der pflegebedürftigen Personen in Niedersachsen (234.070 Personen von insgesamt 456.255 Personen) wird ausschließlich von ihren Angehörigen zu Hause versorgt. Diese aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen zeigen auf, dass bei Angehörigen und Freunden die Hauptlast der Pflege liegt. Zusätzlich dazu ist der Statistik zu entnehmen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen weiter ansteigt.

Digitale Chancen stärker zu nutzen, das ist das Ziel der TK. Bereits aktuell bietet die TK digitale Unterstützung für ihre Versicherten. Der Online-Pflegeantrag sowie der TK-PflegeCoach erleichtern den Umgang mit Fragen und ersten wichtigen Anträgen. Bei Verbesserung der Verarbeitung von psychologischen Belastungen der Angehörigen kann die online Beratung über pflegen-und-leben.de unterstützen. Über TK-PflegeKompakt erhalten Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit.