Frankfurt am Main, 6. November 2019. Nur knapp die Hälfte (44,15 Prozent) der Pflegebedürftigen in Hessen, die zu Hause durch Angehörige oder Pflegedienste versorgt werden, nimmt die sogenannten Entlastungsleistungen der Pflegekasse in Anspruch.

Pflegebedürftige, die in den eigenen vier Wänden leben, haben Anspruch auf eine monatliche Unterstützung in Höhe von 125 Euro und können sich von Pflegediensten, Betreuungsdiensten oder nach Landesrecht anerkannten Anbietern stundenweise im Alltag unterstützen lassen. Eine solche Hilfe kann etwa die tatkräftige Unterstützung im Haushalt oder auch eine gesellige Auszeit mit Plaudern, Vorlesen oder Gesellschaftsspielen sein.

Angehörige entlasten

Die meisten Senioren wünschen sich, möglichst lange selbstständig in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. In Hessen leben vier von fünf Pflegebedürftigen (79 Prozent) zu Hause, davon werden mehr als zwei Drittel (71 Prozent) von den Angehörigen betreut. "Wenn familiäre, freundschaftliche oder nachbarschaftliche Hilfen nicht ausreichen, haben Pflegebedürftige die Möglichkeit, sich weitere Unterstützung zu organisieren. So werden die Angehörigen entlastet und die Senioren erhalten ergänzend zusätzliche Hilfen bei der Gestaltung ihres Alltags“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen. 

Angebot nur wenig bekannt

In Hessen wurden die Entlastungsleistungen 2019 zwar häufiger abgerufen als im Vorjahr, doch noch immer profitiert nicht einmal jeder zweite Pflegebedürftige davon. Offenbar sind vielen Senioren die vielfältigen Möglichkeiten nicht bekannt, für die sie den Entlastungsbetrag nutzen können. Im Rahmen der Begleitung zu Hause erhalten Senioren beispielsweise Unterstützung im Alltag, etwa durch Einkaufen, gemeinsames Kochen oder Backen, Hilfe bei der Haushaltsführung oder Zeit für ein Gespräch; zudem kommen Betreuungsangebote in Gruppen in Frage. Außerdem kann mit dem Entlastungsbetrag der Eigenanteil finanziert werden, den Pflegebedürftige im Zusammenhang mit einer Tages- und Nachtpflege oder Kurzzeitpflege bezahlen müssen.

Jahresbudget wäre sinnvoll

Ein Knackpunkt ist aus Sicht der Kasse allerdings das relativ unflexible monatliche Budget: Zwar können die monatlichen Ansprüche angespart werden, eine größere Summe kann jedoch erst dann ausgegeben werden, wenn sie zurückgelegt wurde. "Bei einer Kurzzeitpflege kann der fällige Eigenanteil das monatliche Budget von 125 Euro schon innerhalb weniger Tage übersteigen. Reichen Versicherte eine höhere Rechnung ein, können wir diese nicht ohne weiteres erstatten. Daher wäre es sinnvoll, statt der monatlichen 125 Euro ein Jahresbudget von 1.500 Euro zu schaffen, das die Pflegebedürftigen jederzeit flexibel einsetzen können“, so Dr. Voß. 

Übertrag in das Folgejahr möglich

Schon heute können Beträge, die innerhalb eines Jahres nicht ausgeschöpft werden, in das folgende Kalenderhalbjahr übertragen werden. Erst ab Juli des Folgejahres verfallen die nicht genutzten Ansprüche. Pflegebedürfte und deren Angehörige können Anbieter von Betreuungs- und Entlastungsleistungen in ihrem Wohnort im Informationsportal www.pflegelotse.de finden. Die Leistungen umfassen je nach Landesrecht unterschiedliche Angebote und sind für das Bundesland Hessen in der Fassung der hessischen Pflegeunterstützungsverordnung (PfluV) vom 25. April 2018 festgelegt. Sie stehen ausschließlich Pflegebedürftigen zur Verfügung, die zu Hause leben.

Hintergrund

Bei der Inanspruchnahme der Entlastungsleistungen nach § 45b (SGB XI) bezieht sich die TK auf eine eigene Auswertung unter ihren Versicherten. Stichtag für die Datenabfrage war für die Jahre 2018 und 2019 jeweils der 30. Juni. Laut der Pflegestatistik 2017 des Hessischen Statistischen Landesamtes lebten im Jahr 2017 von insgesamt 261.757 Pflegebedürftigen in Hessen 205.968 zu Hause und wurden von den Angehörigen, ggf. weiteren selbst organisierten Pflegehilfen sowie Pflegediensten versorgt. 

Neben den Entlastungsleistungen unterstützt die TK pflegende Angehörige mit weiteren Angeboten. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit, auf www.tkpflegecoach.de einen digitalen Pflegekurs zu absolvieren. Das Kursangebot "Begleitung im Andersland" richtet sich speziell an Angehörige von Menschen mit Demenz, und durch das Onlineangebot www.pflegen-und-leben.de erhalten pflegende Angehörige psychologische Unterstützung in Belastungssituationen.