Hamburg, 13. Oktober 2021. Vielen Pflegebedürftigen entgeht jährlich viel Geld: Nur etwas mehr als die Hälfte der Hamburgerinnen und Hamburger (55,2 Prozent) mit Anspruch auf Entlastungsleistungen nutzt diesen auch, wie aus einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Allerdings ist die Nachfrage im vergangenen Jahr gestiegen: In Hamburg legte die Inanspruchnahme 2020 gegenüber dem Vorjahr um 14,8 Prozentpunkte zu. Die sogenannten Entlastungsleistungen stehen automatisch allen pflegebedürftigen Personen zu, die einen Pflegegrad haben und zu Hause versorgt werden.

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, sagt: "Die geringe Inanspruchnahme zeigt uns, dass das Angebot der Entlastungsleistungen bekannter werden muss." Für welche Leistungen die Versicherten den monatlichen Entlastungsbeitrag von 125 € einsetzen können, wird auf Landesebene entschieden. In Hamburg sind das zum Beispiel Betreuungsangebote, Gesprächsgruppen, aber auch Haushaltshilfen. Die Pflegebedürftigen können die Quittung hierfür einfach bei ihrer Pflegekasse einreichen. 

Flexibilität statt Bürokratie  

Die Inanspruchnahme der Entlastungsleistungen werde laut Puttfarcken auch durch die monatliche Deckelung des Budgets und damit einhergehende bürokratische Hürden erschwert. "Wenn Versicherte uns im Januar eine Rechnung über 800 Euro für Entlastungsleistungen einreichen, können wir sie nicht ohne weiteres erstatten. Kommt die Rechnung dagegen mit dem gleichen Betrag im November, ist es kein Problem. Das schränkt die Pflegebedürftigen in ihrer Flexibilität ein, weil sie im Verlauf des Jahres weniger individuelle Schwerpunkte setzen können. Hier wäre es sinnvoller, statt der monatlichen 125 Euro ein flexibles Jahresbudget von 1.500 Euro zu schaffen", fordert die Landeschefin.

 
Digitale Unterstützung für pflegende Angehörige

Die Hauptlast bei der Pflege tragen die pflegenden Angehörigen. Ende 2019 wurden drei Viertel der in Hamburg lebenden rund 77.300 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Das teilt die TK unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistikamts Nord mit. Dass die Zahl der Pflegebedürftigen noch weiter zunehmen wird, zeigt eine aktuelle Auswertung der TK-Pflegeversicherung: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Erstanträge im Jahr 2020 bei der TK in Hamburg um 7 Prozentpunkte. 

Die TK setzt sich deshalb dafür ein, digitale Chancen in der Pflege stärker zu nutzen. Bereits heute bietet die TK ihren Versicherten digitale Unterstützung, wie zum Beispiel den Online-Pflegeantrag, virtuelle Pflegekurse oder die App TK-PflegeKompakt  mit allen wichtigen Infos und Ansprechpersonen für jede Pflegesituation. Das von der TK unterstützte Onlineangebot pflegen-und-leben.de bietet pflegenden Angehörigen psychologische Unterstützung in Belastungssituationen.

Hinweis für die Redaktion

Die Forderungen der TK im Bereich Pflege zur Bundestagswahl 2021 gibt es auf tk.de (Suchnummer 2073284).