Kiel, 26. Juni 2019. Der heute vorgestellte Gesundheitsreport der Techniker Krankenkassen (TK) für Schleswig-Holstein zeigt, dass Pflege deutlich stärker als andere Berufe auf die Gesundheit geht. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Menschen in Pflegeberufen überdurchschnittlich oft und auch länger krankgeschrieben. In Schleswig-Holstein fallen Kranken- und Altenpflegekräfte im Schnitt jährlich für 24,9 Tage krankheitsbedingt aus. Damit liegt das nördlichste Bundesland mit 8,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (22,9 Tage). Das sind wiederum fast neun Tage mehr, als in der Vergleichsgruppe aller Beschäftigten (16,35 Tage). Der Vergleich innerhalb der Berufsgruppe der Pflegenden hat ergeben, dass Frauen mit 26,57 AU-Tagen im Jahr häufiger krank sind als Männer (23,49 AU-Tage). 

Pflege geht auf die Psyche und das Kreuz

Besonders viele Fehltage in den Pflegeberufen gehen in Schleswig-Holstein auf das Konto von psychischen Störungen und Krankheiten des Bewegungsapparats. Während berufsübergreifend jeder Beschäftigte durchschnittlich 2,86 Tage letztes Jahr aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben war, beliefen sich die Fehltage in den Pflegeberufen auf durchschnittlich 5,69 Tage. Das sind rund 87 Prozent mehr. Aufgrund von Muskelskeletterkrankungen fehlte jeder Beschäftigte letztes Jahr 2,94 Tage - bei den Menschen in Pflegeberufen waren es mit 5,87 Tagen 83 Prozent mehr. Schleswig-Holstein liegt somit im Vergleich mit allen Bundesländern auf Platz 1. 

Prävention in der Pflege

"Damit der Pflegeberuf auch in Zukunft ausgeübt werden kann, ist eine stabile Gesundheit von großer Bedeutung. Daher müssen wir daran arbeiten die Rahmenbedingungen in diesem Berufsfeld so zu verändern, dass auch die Gesundheit der Pflegekräfte gefördert wird", fordert Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein. Die Kasse unterstützt Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeiter, für Patienten und für Pflegebedürftige. Mit dem Förderantrag "Starke Pflege" der TK können Projekte zum Gesundheitsmanagement initiiert und langfristig aufgebaut werden. 

Gesunde Strukturen schaffen

Mit dem Projekt "PROCARE" wurde ein für Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeheimen zugeschnittenes Präventionsprogramm entwickelt. Dazu gehören Maßnahmen der Gesundheitsförderung für Mitarbeiter ebenso wie gezielte Präventionsmaßnahmen für die Pflegebedürftigen - in den Bereichen Bewegung, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden. Gemeinsam mit der Uni Hamburg läuft das Präventionsprogramm im Altenpflegeheim Scheel in Norderstedt und im AWO Wohn- und Servicezentrum Lauenburg.

Darüber hinaus unterstützt die Techniker das Modellprojekt zur "Partizipativen Entwicklung von Konzepten zur Prävention von Gewalt in der stationären Pflege" (PEKo) der Universität Lübeck, der Hochschule Fulda sowie der Universität Halle-Wittenberg und möchte so ein weiteres Problem im Beruf der Pflege angehen. Bisher gibt es erst wenige bis kaum Angebote zur Gewaltprävention in der Pflege. Seit April 2018 läuft PEKo als zweijähriges ganzheitliches Projekt zur Prävention, Sensibilisierung und Vorbeugung von gewaltvollen Übergriffen innerhalb des Settings Pflege. In Schleswig-Holstein nehmen insgesamt acht Einrichtungen (4 im Kreis Schleswig-Flensburg, 4 in Lübeck) teil. Ziel des Projektes ist die Gewaltbereitschaft zu senken, ein Meldewesen für Gewaltereignisse einzuführen und Handlungsleitfäden über das Projekt hinaus weiterzuführen. 

Hinweis für die Redaktionen

Für den Gesundheitsreport 2019 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 362.600 bei der TK in Schleswig-Holstein versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Die digitale Pressemappe mit dem bundesweiten Gesundheitsreport und

gibt es auf tk.de/presse. Im TK-Fehlzeitentool  lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.