Diesen Fragen geht der TK-Meinungspuls Pflege 2018 nach. Im Auftrag der TK hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa dafür Menschen in Deutschland unter anderem zu ihrer Pflegebereitschaft oder ihren eigenen Wünschen für das Älterwerden befragt.

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, stellt die wichtigsten Ergebnisse des TK-Meinungspulses Pflege 2018 für den Norden Deutschlands vor.

Frau Puttfarcken, wie groß ist die Pflegebereitschaft der Norddeutschen?

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Puttfarcken:  Vier von fünf Menschen in Norddeutschland (84 Prozent) können sich vorstellen, ihre Angehörigen zu pflegen. Unter den Berufstätigen, die sich dies vorstellen können, ist auch die Hälfte der Befragten bereit, dafür ihre wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren. Im bundesweiten Vergleich liegt der Norden hiermit allerdings auf den letzten Plätzen. Lediglich in Baden-Württemberg würden nur 47 Prozent der Befragten beruflich kürzertreten. In Bayern ist die Bereitschaft mit 69 Prozent am größten. Eine berufliche Auszeit kommt für 15 Prozent der Befragten in Norddeutschland infrage, und zwei Prozent würden sogar den Job ganz aufgeben.

Wir haben aber auch gefragt, warum die Menschen nicht pflegen können oder möchten. 38 Prozent der Norddeutschen geben an, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen seien. Für jeden Dritten lässt die eigene Gesundheit es nicht zu, einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen, und für 29 Prozent ist die berufliche Situation der Grund.

Und wie sehen die Menschen in Norddeutschland ihre eigene Pflege-Zukunft?

Puttfarcken: Die eigene Pflege ist für viele noch ein Tabuthema. Nur 43 Prozent der Norddeutschen haben sich darüber bisher Gedanken gemacht oder mit ihren Angehörigen darüber gesprochen. Der größte Teil der Befragten, fast 90 Prozent, möchte am liebsten zu Hause gepflegt werden. Sieben von zehn könnten sich auch vorstellen, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Weniger beliebt ist das Wohnen bei einem Angehörigen oder in einem Pflegeheim. Dies können sich lediglich 45 Prozent der Befragten vorstellen.

Die eigene Pflege ist für viele noch ein Tabuthema.
Maren Puttfarcken

Mit dem Älterwerden verbinden viele auch Sorgen. Auf Platz eins steht dabei in Norddeutschland die Angst, sich die Pflege nicht leisten zu können, die man sich wünscht. Dies beschäftigt zwei Drittel der Menschen im Norden. Und 61 Prozent der Norddeutschen befürchten einen Verlust der Selbstständigkeit. 

Hier zeigt sich, dass Pflege eine Herausforderung ist, die den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft betrifft. Deshalb muss die Pflege auf viele Schultern verteilt werden. Wichtig sind dabei Schulungen für pflegende Angehörige, Entlastung durch Verhinderungspflege und Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte.

Hintergrund

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ Menschen in Deutschland zum Thema Pflege.

Unter dem Begriff Norddeutschland werden die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gefasst.

Auch digitale Helfer für die Pflege werden heiß diskutiert. Können sich die Menschen in Norddeutschland vorstellen, dass digitale Helfer sie im Alter unterstützen?

Puttfarcken: Die Ergebnisse zeigen, dass die Offenheit groß ist, sich im Pflegefall digitale oder technische Unterstützung zu holen. 63 Prozent der Norddeutschen könnten sich vorstellen, auch die Hilfe von Roboter-Technik in der Pflege in Anspruch zu nehmen. Bundesweit sind es 58 Prozent. Nicht überraschend: Jüngere Menschen können sich dies eher vorstellen als ältere Befragte.

Die Digitalisierung bietet aber ja die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten. Ein Beispiel dafür ist die Smart-Home-Technik, wie etwa Sensoren, die Stürze melden oder registrieren, ob ein pflegebedürftiger Mensch morgens aufsteht. Hier können sich 85 Prozent der Befragten vorstellen, diese Unterstützung zu nutzen. Diese Lösungen werden allerdings derzeit noch nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt. Aus Sicht der TK sollte sich dies ändern. Die Leistungen für "wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" sollten im Bereich der technischen Hilfen im Haushalt auch für technische Assistenz- und Überwachungssysteme eingesetzt werden dürfen. Diese können dazu beitragen, dass die Pflegebedürftigen länger in den eigenen vier Wänden verbleiben können und Angehörige entlastet werden. Dies ist auch ein Aspekt, den wir im Innovationsfondsprojekt NetzWerk GesundAktiv erproben.