Mainz, 3. Dezember 2019. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) gaben neun von zehn der Befragten in Rheinland-Pfalz an, sich entweder vorstellen zu können, die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen oder dies bereits getan zu haben. "Diese Tendenz spiegelt auch die Realität: Nach wie vor wird der Löwenanteil der so genannten "informellen Pflege" von Angehörigen übernommen", berichtet Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Mainz. Simon: "Doch ganz gleich, ob in beruflicher oder privater Umgebung, einen Menschen zu pflegen kostet sehr viel Kraft. Über die Fürsorge für den Anderen vergessen viele Pflegende, auf sich selbst zu achten. Dabei stellen die körperliche Belastung und emotionale Nähe sowie die Verantwortung für den Pflegebedürftigen eine starke Beanspruchung dar." Nicht wenige geraten hierdurch an ihre Grenzen. Um beruflich wie privat pflegende Menschen bei der Stärkung ihrer persönlichen Widerstandskraft, sogenannter Resilienz, zu unterstützen, veranstaltet die TK-Landesvertretung gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD), der Pflege-, Landesärzte- und Landespsychotherapeutenkammer sowie der Katholischen Hochschule Mainz im Weiterbildungszentrum Ingelheim am 3. Dezember 2019 ein Fachforum.

Fachforum mit Workshops für Pflegende

Unter dem Motto "Herausforderung Pflege - Hilfe für Helfende" haben die Teilnehmer vormittags unter anderem die Möglichkeit, einen Fachvortrag der Landespsychotherapeutenkammer zum Thema "Resilienz" zu hören. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "abprallen, zurückspringen". Am Nachmittag besteht die Option, an Workshops teilzunehmen, in denen Strategien zur Stärkung der psychischen und physischen Gesundheit für den Pflegealltag erarbeitet werden.

Begleitend zur Veranstaltung hat die TK-Landesvertretung in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern einen Flyer herausgegeben mit verschiedenen Tipps zur Kräftigung der mentalen Stärke pflegender Menschen. Gleichzeitig werden Anzeichen, die auf eine Überlastung hinweisen können sowie Hilfe bietende Ansprechpartner genannt. 

Gesundheitsministerium ist Kooperationspartner

"Eine der größten Herausforderungen im Bereich der Pflege ist der Fachkräftemangel bei gleichzeitig steigender Zahl älterer Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Konkrete Hilfestellungen für Pflegepersonen erhalten vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung. Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Tagespflege und niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung im Alltag bieten pflegenden Angehörigen dabei Entlastung. Genauso wichtig ist es, ganz konkret die Resilienz aller Pflegenden zu stärken, seien es Angehörige oder professionelle Pflegekräfte. Deshalb unterstützen wir das heutige TK-Pflegeforum als Kooperationspartner sehr gerne. Die Workshops und der begleitende Flyer sind Beispiele für wirksame, niedrigschwellige und kurzfristige Hilfestellungen“, betont Dr. Alexander Wilhelm, Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Sozial- und Gesundheitsministeriums. 

"Manche Menschen sind widerstandsfähiger als andere. Sie können besser mit Krisen und Belastungen umgehen und erholen sich auch schneller. Das Schöne ist, dass man seine seelische Widerstandsfähigkeit mittels verschiedener Übungen entdecken und stärken kann. Umso länger sich die Psychologie und die Neurobiologie mit dem Phänomen der Resilienz befassen, umso deutlicher wird, dass sie auch im Bereich Prävention eine Schlüsselrolle spielt - insbesondere bei stressbedingten Erkrankungen", erläutert Ulrich Bestle, Vorstandsmitglied der Landespsychotherapeutenkammer.

Herausforderung bringt Pflegekräfte an ihr Limit

"Der berufliche Alltag einer Pflegekraft ist in emotionaler Hinsicht sehr fordernd, da er sich zwischen intensiven Polen von Glück, Leid und Trauer bewegt. Das bringt viele Pflegekräfte an ihr Limit, weshalb nicht wenige von ihnen sich schließlich für Teilzeitmodelle entscheiden oder sogar den Tätigkeitsbereich verlassen. Neben politischen Maßnahmen, die erst langfristig greifen können, unterstützen wir daher sehr gerne Ansätze, die unmittelbar und ohne viel Aufwand den Pflegenden zu Gute kommen. Auch in der Ausbildung zur Pflegekraft ist es wichtig, stets das Thema der Gesundheitsprävention zu berücksichtigen", betont Professor Brigitte Anderl-Doliwa, Vorstandsmitglied der Pflegekammer Rheinland-Pfalz und Lehrende der Katholischen Hochschule in Mainz.

"Der Fachkräftemangel im ambulanten wie auch im stationären Bereich verlangt Ärzten und Pflegekräften viel ab. Meist ist die Zeit nicht nur für die Patienten, sondern auch für sich selbst knapp, da kann es sehr hilfreich sein, über ein Handlungsrepertoire zu verfügen, das einem hilft, Problem- und Krisensituationen besser zu überwinden. Wir haben daher sehr gerne diese Initiative unterstützt", sagt Dr. Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.