Frankfurt am Main, 19. September 2018. Die Pflegebereitschaft in Hessen ist groß: 89 Prozent der Menschen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind grundsätzlich dazu bereit, nahe Angehörige mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Zwei Drittel davon würden für diese Aufgabe sogar im Beruf kürzer treten und Stunden reduzieren. Das zeigt der aktuelle "Meinungspuls Pflege", eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). In Hessen werden gut drei Viertel (76,3 Prozent) der rund 224.000 Pflegebedürftigen im Land zu Hause versorgt, davon die große Mehrheit (70,4 Prozent) ausschließlich durch Angehörige.


Bestehende Hilfen nutzen

Die Bereitschaft, demente Angehörige zu versorgen, ist laut dem TK-Meinungspuls zwar etwas geringer; mit 76 Prozent kann sich aber immer noch eine große Mehrheit der Menschen in Hessen vorstellen, einen nahen Angehörigen mit Demenz zu pflegen. "Einen anderen Menschen im häuslichen Umfeld zu pflegen, ist für die Betroffenen oft sehr belastend und kann die eigene Gesundheit beeinträchtigen. Pflegende Angehörige sollten daher die bestehenden Hilfen nutzen", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.

Die TK unterstützt Menschen, die kurzfristig die Pflege eines Angehörigen übernommen haben, mit dem TK-Pflegecoach, einem digitalen Pflegekurs, der auf dem Smartphone, Tablet oder PC abgerufen werden kann und als mobiles Nachschlagewerk die wichtigsten Themen der häuslichen Pflege erläutert. Darüber hinaus sind auch "analoge" Pflegekurse möglich. Zudem können sich Angehörige, die sich durch die Pflege körperlich und psychisch belastet fühlen, im Umgang mit schwierigen Situationen über das Internetportal www.pflegen-und-leben.de online begleiten lassen. Interessierte können dort von geschulten Psychologen per E-Mail oder Video-Chat Rat bekommen.


Online-Sprechstunde ist im Alter gefragt

Der TK-Meinungspuls zeigt aber auch: Trotz hoher Pflegebereitschaft hat sich in Hessen nur jeder zweite Befragte in eigener Sache schon einmal mit dem Thema Pflegeversicherung befasst oder über eine eigene potentielle Pflegebedürftigkeit mit Familienangehörigen oder Freunden gesprochen. Auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfällt, ist es aus Sicht der TK in Hessen sinnvoll, sich frühzeitig mit dem Thema Pflege zu befassen, da veränderte Familienstrukturen dazu führen werden, dass in Zukunft weniger Angehörige für die Pflege zu Hause zur Verfügung stehen.

Laut TK-Meinungspuls möchte der überwiegende Teil (80 Prozent) pflegebedürftiger Menschen solange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Damit das möglich ist, können sich fast alle Befragten (96 Prozent) vorstellen, im Alter digitale Technologien zu nutzen. Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) würden beispielsweise Sensoren nutzen, die Stürze melden oder registrieren, dass sie morgens aufgestanden sind. Eine noch höhere Akzeptanz findet die Online-Sprechstunde über das Internet: Diese würden vier von fünf Befragten (78 Prozent) nutzen. 


Hintergrund

Im Auftrag der TK hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland zum Thema Pflege befragt. Der TK-PflegeCoach steht allen Interessierten als webbasierte Anwendung unter www.tkpflegecoach.de zur Verfügung. Er ist als Kooperation mit dem Institut für Medizinische Informatik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entstanden. Der Kurs wird laufend an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst.