Stuttgart, 22. Oktober 2021. Vielen Pflegebedürftigen entgeht jährlich für sie vorgesehene Unterstützung: Nur etwas mehr als die Hälfte der Berechtigten im Land (53,3 Prozent) nutzen sogenannte Entlastungsleistungen, wie aus einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg hervorgeht. Allerdings ist die Nachfrage im vergangenen Jahr gestiegen: Im Vergleich zum Vorjahr legte die Inanspruchnahme 2020 um 11,5 Prozentpunkte zu. Entlastungsleistungen stehen automatisch allen pflegebedürftigen Personen zu, die einen Pflegegrad haben und zu Hause versorgt werden.

Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung sieht Nachholbedarf: "Zum einen muss noch bekannter werden, dass es diesen Anspruch gibt, zum anderen müssen entsprechende Angebote leichter auffindbar und nutzbar sein." Für welche Leistungen die Versicherten den monatlichen Entlastungsbetrag von 125 € einsetzen können, wird auf Landesebene entschieden.

In Baden-Württemberg sind das zum Beispiel anerkannte Betreuungsangebote verschiedener Anbieter, ehrenamtliche Alltagsbegleitung, aber auch Haushaltshilfen. Genaueres erfahren Interessierte bei den örtlichen Pflegestützpunkten. Manche Dienstleiter rechnen direkt mit der Pflegekasse ab, sonst werden die Kosten nach Vorlage einer Rechnung erstattet. Der Betrag muss nicht zwangsläufig monatlich genutzt werden, sondern kann auch bis zum 30. Juni des Folgejahres gesammelt werden. Erst dann verfällt die nicht verwendete Summe. Derzeit greift noch die folgende Corona-Sonderregelung: Nicht genutzte Beträge für Entlastungsleistungen aus 2019 und 2020 können dank einer Fristverlängerung bis zum 31.12.2021 genutzt werden.

Digitale Unterstützung für pflegende Angehörige

Die Hauptlast bei der Pflege tragen die pflegenden Angehörigen. Laut Statistischem Landesamt wurden in Baden-Württemberg 2019 fast 80 Prozent der rund 470.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. "Zur Unterstützung aller Beteiligten sollte im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes die Basisinfrastruktur für eine landesweite "Informationsplattform Pflege" geschaffen werden", erklärt Mussa. Dieser Vorschlag der TK wird inzwischen von zahlreichen Organisationen des "Bündnis Sozialpartnerschaft in der Altenhilfe neu denken" (SPND) und vom Landkreistag Baden-Württemberg unterstützt. Auch das neue Landeskompetenzzentrum PflegeDigital@BW könnte hier seine Expertise einbringen. "Auf der Plattform stellen die Akteure ihre Angebote für Beratung und Leistungen gebündelt ins Netz. Perspektivisch könnten Pflegestützpunkte darüber auch digital Unterstützung, wie zum Beispiel eine (video-) telefonische Erstberatung anbieten", so die TK-Leiterin.

Ihren Versicherten bietet die TK bereits digitale Unterstützung an, wie zum Beispiel den Online-Pflegeantrag, virtuelle Pflegekurse oder die App "TK-PflegeKompakt" mit allen wichtigen Infos und Ansprechpersonen für jede Pflegesituation. Das von der TK unterstützte Onlineangebot pflegen-und-leben.de bietet pflegenden Angehörigen psychologische Unterstützung in Belastungssituationen. Der TK-PflegeCoach ist ebenfalls für alle Interessierte kostenlos zugänglich.