Stuttgart, 9. Juni 2021. 84 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg möchten am liebsten im eigenen Zuhause betreut werden, wenn sie pflegebedürftig sind. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Allerdings könnten sich 77 Prozent der Befragten aus dem Ländle alternativ eine Unterbringung im Betreuten Wohnen vorstellen, für immerhin noch 70 Prozent wäre eine Wohngemeinschaft mit anderen Senioren denkbar.

Fast jeder Zweite offen für Pflegeheim

Zwei Drittel der Befragten würden im Fall des Falles gerne zu Angehörigen ziehen. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten in Baden-Württemberg wären für einen Umzug ins Pflegeheim offen und damit mehr als in jedem anderen Bundesland. Bundesweit liegt dieser Wert bei 37 Prozent. 

Land unterstützt betreute Wohngruppen

"Mit dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) hat die Landesregierung 2014 die Einrichtung ambulant betreuter Wohngruppen für Behinderte und Unterstützungsbedürftige erleichtert. Das entspricht offensichtlich den Vorstellungen der Menschen im Land", erklärt Markus Koffner, Leiter regionales Vertragswesen bei der TK-Landesvertretung. Nach Angaben der Fachstelle für ambulant unterstützte Wohnformen in Stuttgart gab es zum Stichtag 30. Juni 2020 rund 500 solcher Wohngemeinschaften in Baden-Württemberg, was einem Anstieg seit Inkrafttreten des Gesetzes von 70 Prozent entspricht.

Pflege zuhause muss einfacher werden

"Noch werden drei Viertel der Pflegebedürftigen im Land von Angehörigen, einem ambulanten Pflegedienst oder einer Kombination von beidem zuhause versorgt. Auch wenn der Wunsch danach ungebrochen hoch ist, spricht die tatsächliche demografische Entwicklung dafür Alternativen vorzubereiten", so der TK-Leiter. Darüber hinaus brauche es Informations- und Unterstützungsangebote, die pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in ihrem Alltag entlasten. 

Digitalisierung kann entlasten

Viele der Befragten setzen auf digitale Lösungen, die den Pflegealltag erleichtern sollen. So erwarten 67 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg, dass Pflegebedürftige oder pflegende Angehörige in den nächsten fünf Jahren in der Lage sein werden, den Großteil ihrer Angelegenheiten digital zu organisieren - das heißt etwa, Pflegeanträge zu stellen oder Pflegeleistungen zu buchen. "Rund die Hälfte der Befragten geht zudem davon aus, dass Smart-Home-Technologien oder Videochats mit Pflegekräften bald zum Alltag gehören werden", betont Koffner. Die TK unterstütze die Digitalisierung der Pflege schon heute und bietet ihren Versicherten beispielsweise an, online Pflegeanträge zu stellen oder Pflegekurse wahrzunehmen.

Hinweis an die Redaktion

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Januar 2021 bundesweit 2.001 Erwachsene zu ihren Erwartungen an die Pflege befragt. Die Befragten repräsentieren einen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung in Deutschland.