Mainz, 27. Juli 2021. Schichtdienst, körperliche Belastung und eine hohe Arbeitsdichte durch Fachkräftemangel: Bei den Pflegekräften in Rheinland-Pfalz wirken die Begleitumstände ihres Jobs stärker auf die Gesundheit als bei Menschen in anderen Tätigkeiten. Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz zeigt, dass der Krankenstand in den Pflegeberufen mit durchschnittlich 24,0 Tagen deutlich höher liegt als in anderen Berufsgruppen (16,1).

Den Pflegeberuf attraktiver gestalten

Um den Pflegeberuf attraktiver gestalten zu können, braucht es nach Ansicht der TK finanzielle Anreize, aber auch andere Faktoren. So sind zudem bessere Strukturen, mehr Transparenz und die digitale Unterstützung notwendig. "Nur wenn es uns gelingt, mit gezielten Maßnahmen die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern, werden wir Menschen davon überzeugen, den Pflegeberuf zu ergreifen beziehungsweise beizubehalten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Bund, Länder und Kommunen, aber auch öffentliche wie private Kostenträger eingebunden werden müssen", sagt Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen TK-Landesvertretung.

Gesundheitliche Belastung für Pflegekräfte

Die Pandemie hat viele Pflegekräfte an ihre Grenzen gebracht und die Belastung erhöht. Am häufigsten bleiben Menschen in Pflegeberufen wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen (4,9 Tage), psychischen Erkrankungen (4,8 Tage) sowie Erkrankungen des Atmungssystems (3,1 Tage) zu Hause. Andere Berufsgruppen fallen überwiegend aufgrund derselben Krankheitsbilder aus, allerdings im jährlichen Schnitt deutlich seltener. Deren Daten im Vergleich: Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (2,6 Tage), psychische Erkrankungen (2,7 Tage) sowie Erkrankungen des Atmungssystems (2,3 Tage). 

Pflegeversicherung reformieren

Wegen des gesellschaftlichen und demografischen Wandels brauchen immer mehr Menschen die Unterstützung der Pflegeversicherung. Nach Angaben des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz erhalten rund 200.000 Menschen in Rheinland-Pfalz Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung - Tendenz steigend. Es ist bereits absehbar, dass die Finanzmittel bald nicht mehr ausreichen werden.

Daher fordert die TK eine Reform: "Wir brauchen zur Finanzierung der Pflegeversicherung einen dauerhaften Zuschuss des Bundes aus Steuermitteln", sagt TK-Landeschef Jörn Simon. "Pflegebedürftige sollten zudem entlastet werden, indem das Land seiner Investitionsverpflichtung nachkommt und den Ausbau von wohnortnahen Versorgungsangeboten fördert. Mit der Schaffung eines digitalen Informationsportals für freie Pflegekapazitäten könnte Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen ein hilfreiches Tool zur Verfügung gestellt werden", so Simon. Zudem sollte der Leistungskatalog bei wohnumfeldverbessernden Maßnahmen um mehr digitale Lösungen erweitert werden.

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten stammen aus einer Sonderauswertung im Rahmen des TK-Gesundheitsreports. Grundlage dafür bilden die mehr als fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen, davon knapp 250.000 in Rheinland-Pfalz (Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und unter 65 Jahren). Den vollständigen Report und weitere Materialien finden Sie in der digitalen Pressemappe .  

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