Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen, sagt man ja so schön. Für die Zukunft der Pflege in Thüringen trifft dies nicht zu. Hier gibt die demografische Entwicklung leider klare Fakten vor. Immer mehr Pflegebedürftige stehen einem immer kleineren Reservoir möglicher Fachkräfte gegenüber.

Zukunftsgestaltung nötig

Aus dem Land heraus können die bestehenden Versorgungsstrukturen bereits heute kaum noch mit dem nötigen Nachwuchs versorgt werden. Vom notwendigen Jobzuwachs in der Altenpflege ganz zu schweigen. Für die Landespolitik muss die Pflege zu einem zentralen Bereich in der Zukunftsgestaltung werden.

Die Anwesenheit der "Pflegeministerin" auf der großen Delegationsreise der Landesregierung nach Vietnam sowie die bereits bekannten Landtagswahlprogramme der Parteien sind erfreuliche Signale. Jedoch müssen dann auch mutige Schritte bei der Gestaltung von Versorgungsangeboten folgen. Fachkräftesicherung durch Konzentration der Krankenhausstrukturen zählt beispielsweise
ebenso dazu wie zielgerichtete Investitionen in die Kurzzeitpflege.

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Guido Dressel

Billigpflegeland Thüringen?

Thüringer Pflegekräfte standen in der Vergangenheit oft nicht auf der Sonnenseite des  Arbeitsmarktes: Im Krankenhaus wurde oft auf Kosten des Pflegebereichs gespart und bei der Altenpflege hatte sich Thüringen einen eher zweifelhaften Ruf als Billigpflegeland erarbeitet. Dies ändert sich gerade deutlich.

Krankenhäuser jagen sich mit Begrüßungsprämien gegenseitig die Fachkräfte ab, in der Altenpflege wird deutlich besser verdient und Zeitarbeit wandelt sich vom Problem für Betroffene zur Chance für bessere Arbeitsbedingungen. Diese Entwicklung ist richtig und notwendig. Pflege muss attraktiver werden; beim Verdienst, den beruflichen Rahmenbedingungen und dem Bild in der Öffentlichkeit.

Aggressives Abwerben

Dennoch löst die grundsätzlich positive Entwicklung in Thüringen auch neue Probleme aus. So setzen die politischen Vorgaben zur Stärkung der Krankenhauspflege andere Bereiche der  Gesundheitswirtschaft unter Druck. Bereits heute klagen zum Beispiel erste Rehakliniken im Land über das aggressive Abwerben von Personal.

Das Problem fehlender Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Krankenhäusern dürfte nach Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung auch die Altenpflege ereilen. Denn trotz aller
Fortschritte liegen die Einkommen hier noch immer unter dem Krankenhausniveau.

Weitere Steigerungen führen jedoch sofort zu einer deutlichen Erhöhung der Zuzahlungsbeträge für Pflegebedürftige. Ohne grundlegende Reformen bei der Finanzierung steuert die Altenpflege hier auf ein massives Problem zu, das auch mit ausländischen Fachkräften nicht gelöst werden kann.