Erfurt, 29. Januar 2021. Die Eigenanteile für die reine Pflege in Thüringer Pflegeheimen sind gegenüber dem Vorjahr um knapp 32 Prozent gestiegen. Sie betragen im Durchschnitt aktuell 554 Euro. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen hin und bezieht sich auf aktuelle Zahlen des Verbands der Ersatzkassen mit Stand 1. Januar 2021. Bundesweit ist das hinter Sachsen der zweithöchste Zuwachs. Gleichzeitig bleibt Thüringen bei den Pflegekosten, die vor allem Personalkosten enthalten, bundesweites Schlusslicht. 

Die gesamte finanzielle Belastung für Thüringer Pflegebedürftige, die neben den reinen Pflegekosten auch Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten enthält, ist durchschnittlich um rund elf Prozent auf 1648 Euro gestiegen. Das ist im Bundesvergleich die dritthöchste Steigerungsrate. 

"Pflegeleistungen werden immer umfassender und die Bedingungen für Pflegekräfte müssen attraktiver werden. Deswegen ist es folgerichtig und erfreulich, dass sich das unter anderem in den Gehältern niederschlägt", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

"Gleichzeitig ist es für die Thüringer besonders wichtig, dass die Pflegefinanzierung langfristig reformiert wird. Sowohl die Zahl der Pflegebedürftigen als auch die finanzielle Belastung für diese Menschen steigt im Freistaat deutlich dynamischer als im bundesweiten Vergleich. Unterstützende Angehörige und die Pflegebedürftigen sind immer weniger in der Lage, die erforderlichen Eigenanteile zu leisten. Aufgrund von historisch bedingt gebrochenen Erwerbsbiographien haben hierzulande besonders viele Menschen weder eine dafür ausreichende Rente, noch entsprechendes Vermögen."

Pflegebedürftige sofort entlasten, langfristig Kosten auf mehrere Schultern verteilen

Nach der aktuellen Finanzierungslogik werden die deutlichen Mehrkosten in der Pflege aus den Beiträgen der Pflegeversicherung und Eigenanteilen bezahlt.

Im Juli 2020 wurde im Bundestag erstmals ein Bundeszuschuss für die soziale Pflegeversicherung beschlossen. Die TK begrüßt das. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung nachhaltig neu aufgestellt werden muss. Ziel ist es, die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu stabilisieren und den Druck von den Beitragszahlern zu nehmen.

Dafür schlägt die TK vor, die Leistungsbeträge einmalig anzuheben und die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige künftig direkt aus dem Bundeshaushalt zu begleichen. Weiterhin ist eine jährliche Dynamisierung der Leistungen notwendig, damit die Pflegeversicherung auch künftig mit der Preisentwicklung mithalten kann.

Um die dadurch zu erwartenden Mehrausgaben zu decken, braucht es einen dauerhaften Steuerzuschuss. Dessen Höhe sollte an die Entwicklung der Leistungen gekoppelt sein. Des Weiteren würde ein Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung das Pflegerisiko künftig gerechter verteilen.

Zudem sollen die Bundesländer gesetzlich dazu verpflichtet werden, die ihnen gesetzlich zugewiesenen Funktionen bei den Investitionskosten auch tatsächlich umzusetzen. So könnten Pflegebedürftige und Sozialhilfeträger gleichermaßen

Finanzielle Belastung eines Pflegebedürftigen in der stationären Pflege (reine Pflege, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten), Quelle: vdek

Monatlich in Euro 
Stand 01.01.2020

Monatlich in Euro 
Stand 01.01.2021

Steigerung 2020-2021

Bund

1.940

2.068

6,60%

SAH

1.359

1.465

7,80%

SAC

1.436

1.642

14,35%

MVP

1.442

1.622

12,48%

TH

1.490

1.648

10,60%

NDS

1.612

1.767

9,62%

BRA

1.622

1.729

6,60%

SHS

1.769

1.892

6,95%

BRE

1.891

2.026

7,14%

HES

1.905

2.035

6,82%

BER

1.919

2.047

6,67%

BAY

1.969

2.078

5,54%

HAM

1.974

2.080

5,37%

RLP

1.994

2.134

7,02%

BAW

2.278

2.405

5,58%

SAA

2.310

2.376

2,86%

NRW

2.357

2.460

4,37%

Davon reine Pflege (sogenannter Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil, EEE), Quelle: vdek

Monatlich in Euro 
Stand 01.01.2020
 

Monatlich in Euro 
Stand 01.01.2021
 

Steigerung 2020-2021

Bund

731

831

13,68%

SAH

498

580

16,47%

SAC

504

672

33,33%

MVP

522

671

28,54%

TH

421

554

31,59%

NDS

526

649

23,38%

BRA

699

784

12,16%

SHS

547

637

16,45%

BRE

593

694

17,03%

HES

714

816

14,29%

BER

939

1.034

10,12%

BAY

899

985

9,57%

HAM

661

737

11,50%

RLP

705

795

12,77%

BAW

1.006

1.121

11,43%

SAA

917

965

5,23%

NRW

783

854

9,07%