Kiel, 13. Juli 2021. Hohe körperliche Anforderungen, Schichtdienst und zu wenig Personal: Den Pflegekräften aus Schleswig-Holstein geht ihr Beruf stärker auf die Gesundheit als Menschen in anderen Tätigkeiten. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) für Schleswig-Holstein. Im nördlichsten Bundesland fielen Pflegekräfte im jährlichen Schnitt in 2020 für 23,9 Tage krankheitsbedingt aus. Im Vergleich hierzu waren Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner aus anderen Berufsgruppen mit durchschnittlich 16,7 Tagen deutlich seltener krankgeschrieben. 

Menschen in Pflegeberufen entlasten

Eine Ursache für die starke Belastung des Pflegepersonals ist die hohe Arbeitsdichte der einzelnen Arbeitskräfte. "Die Pandemie hat gezeigt, wie sehr wir auf die Menschen in Pflegeberufen angewiesen sind. Deswegen ist es jetzt wichtiger denn je, den Beruf der Pflegekräfte attraktiver zu gestalten. Etwa durch eine höhere Vergütung, durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr digitale Unterstützung", fordert Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein. 

Der Pflegeberuf belastet die Gesundheit

Pflegekräfte tragen nicht nur die Krankheitslast von anderen, sondern sind auch selber überdurchschnittlich oft von Krankheiten betroffen. Dabei sind die häufigsten Fehltage bedingt durch Muskel-Skelett-Erkrankungen (4,9 Tage), psychische Erkrankungen (4,8 Tage) und Erkrankungen des Atmungssystems (3,1 Tage). Andere Berufsgruppen fallen überwiegend aufgrund derselben Krankheitsbilder aus - allerdings im jährlichen Schnitt deutlich seltener: psychische Erkrankungen (2,7 Tage), Muskel-Skelett-Erkrankungen (2,6 Tage) und Erkrankungen des Atmungssystems (2,3 Tage).

Reform der Pflegeversicherung

Um die Pflegeberufe langfristig attraktiver zu gestalten, fordert die TK eine Reform der Pflegeversicherung und bessere Bedingungen für Pflegekräfte. Die TK in Schleswig-Holstein unterstützt Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeitende, für Patienten und Patientinnen und für Pflegebedürftige. Mit dem Förderantrag "Starke Pflege" können Projekte zum Gesundheitsmanagement initiiert und langfristig aufgebaut werden. 

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten stammen aus einer Sonderauswertung im Rahmen des Gesundheitsreports 2021 der TK, der am 23. Juni veröffentlicht wurde. Grundlage dafür bilden die mehr als fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen, davon knapp 251.000 in Schleswig-Holstein (Berufstätige und ALG 1-Empfänger), Stand April 2021.