Diese Pläne haben, besonders in Thüringen, sehr unterschiedliche Meinungen hervorgerufen. Sie reichen von "längst überfällig" bis "bloß nicht". Dr. Lutz Hempel findet die generalistisch ausgerichtete Pflegeausbildung nicht geeignet, um die Pflegeausbildung zukunftsfähig und den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Aus folgenden Gründen:

Attraktivität der Pflegeausbildung

Erstens: Die Pflegeausbildung wird mit der Generalisierung nicht attraktiver. Nacht- und Wochenenddienste sind nicht ohne Weiteres mit familiären Interessen zu vereinbaren, die gesellschaftliche Anerkennung der Berufsgruppe hat eher abgenommen.

Meines Erachtens sollte überlegt werden, wie die Attraktivität der Pflegeberufe erhöht werden kann. Ich glaube nicht, dass das ohne Verbesserung der Vergütung der Arbeit in den Pflegeberufen gelingt. Und ich fürchte, dass das dafür nötige Geld ohne Erhöhung der Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht zur Verfügung stehen kann.

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Dr. Lutz Hempel

Kosten der Pflegeausbildung 

Zweitens: Die Pflegeausbildung wird teurer. Die bisherige dreijährige Ausbildung in den Berufszweigen Altenpflege, Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bereitet gezielt auf die enorme Vielfalt anspruchsvoller Aufgaben vor.

Zwischen den einzelnen Pflegeberufen bestehen große Unterschiede. Das bedeutet, dass nach Ende der generalistischen Ausbildung eine zusätzliche Qualifizierung erfolgen muss. Das zeigen Erfahrungen aus Österreich, wo sich an die "Generalistik-Ausbildung" eine zweijährige Weiterbildung anschließt, um Pflegende im Bereich der Kinderkrankenpflege einsetzen zu können.

Qualität der Pflege 

Drittens: Die Qualität der Pflege wird schlechter. Die enormen Kosten, die Pflege heute schon in Anspruch nimmt, die noch höheren Kosten, die angesichts der demografischen Entwicklung zu erwarten sind, lassen eine Verteuerung der Pflegeausbildung wahrscheinlich nicht zu.

Die aktuelle Idee des Bundesgesundheitsministeriums, die Qualität der Pflege im stationären Bereich durch Definition von Pflegepersonaluntergrenzen zu verbessern, ist zwar lobenswert, geht jedoch in die falsche Richtung: Wie sollen Untergrenzen erreicht werden, wenn das dazu nötige Personal fehlt. Ausreichend Ausbildungsplätze zu schaffen, sollte daher eins der aktuellen Ziele sein.

Zudem wird mit dem Verlust der Ausbildung "Gesundheits- und Kinderkrankenpflege" insbesondere die Situation des kranken Kindes ignoriert. Ohne die über mehrere Jahre fachspezifisch geschulten Kinderkrankenpfleger verliert es wichtige Partner für Genesung und Betreuung. Das ist ein dramatischer Qualitätsverlust.

Die Probleme, die vor allem im Bereich der Altenpflege zu bewältigen sind, werden auf dem Rücken kranker Kinder und Jugendlicher ausgetragen.
 

Zur Person

Dr. med. Lutz Hempel ist Chefarzt der Klinik für Kinderund Jugendmedizin am SRH Wald-Klinikum Gera. Er ist Mitglied des Vorstands der Gesellschaft der Kinderkliniken Deutschlands sowie der Zukunftskommission der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. Die Geraer Kinderklinik versorgt 2500 Patienten im Jahr. In der Pflege sind ausschließlich spezialisierte Kinderkrankenpfleger eingesetzt.