Nach der generalistischen Ausbildung sollen sich die angehenden "Pflegefachfrauen" und "Pflegefachmänner" spezialisieren.

Diese Pläne haben, besonders in Thüringen, sehr unterschiedliche Meinungen hervorgerufen. Sie reichen von "längst überfällig" bis "bloß nicht". Rolf Höfert findet die Änderung gut.

Pro: Pflegerische Qualifikation wird veränderten Anforderungen angepasst

Der seit 13. Januar 2016 vorliegende Kabinettsbeschluss zum Gesetzesentwurf zur Reform der Pflegeberufe entspricht unseren langjährigen Forderungen zu einer generalistischen Ausbildung in der Pflege.

Mit diesem Gesetz sollen die bisherigen Ausbildungen in der Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege in eine gemeinsame Ausbildung zusammengeführt werden.

Mit der neuen Berufsbezeichnung Pflegefachfrau oder Pflegefachmann und einem im Zeugnis ausgewiesenen Vertiefungsansatz Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege wird die pflegerische Qualifikation den veränderten Versorgungsstrukturen der Pflegebedarfe im Akut- und Langzeitpflegebereich angepasst.

Vergleichbar zum grundständigen Studium der Ärzte, sind später die Zusatzqualifikationen für spezielle Fachbereiche zu erwerben. Durch dieses Gesetz würde die Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland endlich vergleichbar zu den Mitgliedsländern der Europäischen Union. Dort ist die generalistische Ausbildung schon längst Selbstverständlichkeit.

Kompetenz zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen schaffen

Die Anforderungsprofile an die pflegerische Qualifikation werden hiermit den veränderten Anforderungen sowohl in Altenheimen, der ambulanten Pflege als auch in Krankenhäusern gerecht. Gründe hierfür sind die steigende Zahl chronischer Erkrankungen und die wachsende Zahl demenziell und psychisch erkrankter Menschen in allen pflegerischen Versorgungsstrukturen. So wird hiermit die Kompetenz zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in allen pflegerischen Bereichen geschaffen. Begrüßenswert ist auch die Einführung eines dreijährigen berufsqualifizierenden Pflegestudiums.

Zur Person

Rolf Höfert ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Thüringen und seit 1981 Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes. Er ist ein ausgewiesener Experte für Pflegerecht, kennt aber durch seine Ausbildung auch die praktische Seite der Pflege. Von 2003 bis 2005 war Höfert Mitglied des "Runden Tisches Pflege" der Bundesregierung, seit 2005 ist er Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit.