Der diesjährige Report enthält eine Sonderauswertung der Daten von Fachkräften in der Alten- und Krankenpflege.

Herr Vogt, der Mangel an Fachkräften in der Pflege wird derzeit viel diskutiert. Wie geht es den Menschen, die in Krankenhäusern und in der Altenpflege arbeiten, tatsächlich?

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Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Beschäftigte in der Pflege sind laut unseren Daten leider häufiger und insgesamt auch länger krank. Sie verzeichnen insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparats und bei psychischen Erkrankungen viel höhere Fehlzeiten als der Schnitt der Berufstätigen. Oder mit anderen Worten: Pflege kann - deutlich stärker als andere Berufe auf die Gesundheit gehen, vor allem auf den Rücken und die Psyche.

Während berufsübergreifend jeder Beschäftigte in Baden-Württemberg letztes Jahr durchschnittlich 1,99 Tage aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben war, beliefen sich die Fehltage in den Pflegeberufen auf durchschnittlich 3,92 Tage. Das sind rund 97 Prozent mehr. Aufgrund von Muskelskeletterkrankungen fehlte jeder Beschäftigte letztes Jahr 2,05 Tage – bei den Menschen in Pflegeberufen waren es mit 4,23 Tagen mehr als doppelt so viele.

Was muss getan werden, damit Pflege nicht mehr "krank" macht?

Pflege ist körperlich und psychisch anspruchsvoll. Deshalb wäre es oft hilfreich, wenn die Last auf mehr Schultern verteilt werden könnte. Die Politik hat erste Impulse gesetzt, um mehr Pflegekräfte zu gewinnen. Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass diejenigen, die pflegen, das möglichst lange und gerne tun.

Pflegeberufe attraktiver zu gestalten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehört auch eine höhere Vergütung, aber eben nicht nur. Es gilt, neue Modelle zu entwickeln, etwa die Rückkehr für Wiedereinsteiger familiengerecht zu gestalten, neue Karrierepfade zu entwickeln oder eine altersgerechte Arbeitsorganisation zu ermöglichen. Damit positive Beispiele künftig schneller Nachahmer finden, wollen wir einen landesweiten Award "Lebenswerter Arbeitsplatz Pflege" initiieren.

Dabei soll der innovative Einsatz digitaler Unterstützungssysteme besonders gewürdigt werden. Denn die Digitalisierung bietet großes Potenzial, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen und viele Tätigkeiten zu erleichtern. Zum Beispiel kann eine elektronische Patientenakte künftig die Kommunikation und die Abläufe in den Einrichtungen so verdichten, dass die Pflegekräfte mehr Zeit für ihre Patienten gewinnen.

Was tut die TK ganz konkret?

Für die Menschen, die professionell in der Pflege arbeiten ist Betriebliches Gesundheitsmanagement ein entscheidender Faktor, für einen gesunden Berufsalltag. Wir als TK unterstützen stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeiter, für Patienten und für Pflegebedürftige.

Diese Unterstützung ist vielschichtig. Zum Beispiel geht es dabei darum, eine "gesunde Organisation" auf die Beine zu stellen, die Gesundheit und Arbeitskraft speziell der älteren Beschäftigten zu erhalten oder aber auch die Team- und Führungskultur zu stärken. Als zentrale Faktoren sehen wir dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ebenso wie eine auf gemeinsamen Grundsätzen entwickelte Kommunikations- und Führungskultur.

Ganz konkret unterstützen wir beispielsweise das bundesweite Modellprojekt PROCARE. Unter der Leitung der Universität Hamburg entwickeln Wissenschaftler aus ganz Deutschland ein Präventionsprogramm für Pflegeeinrichtungen, das sich an Pflegekräfte und Pflegebedürftige richtet und überprüfen im Anschluss die Erfolge der Interventionen. Auch Einrichtungen in Karlsruhe und Stuttgart sind beteiligt.