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Heike Baehrens, MdB
Foto: Susie Knoll

Es ist gut, dass die Pflegedebatte jetzt breit öffentlich geführt wird. Die TK greift mit ihren Vorschlägen für ein Update in der Altenpflege wichtige Schlüsselthemen auf. Denn wer die Attraktivität der Pflegeberufe stärken will, muss zu allererst die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern. Nur mit mehr Personal und weniger Bürokratie kann der Arbeitsdruck ab- und die Arbeitszufriedenheit zunehmen. Und es ist gut, dass die TK auch eine Überprüfung des Vergütungsgefüges anregt. Höhere Löhne für alle in der Pflege Tätigen müssen dann auch durch Kranken- und Pflegeversicherung refinanziert werden.

Attraktive Arbeitszeit- und Organisationsmodelle sowie innovative Ansätze zur betrieblichen Gesundheitsförderung anzuregen und regelmäßig mit einem Preis auszuzeichnen, ist eine gute Idee. So erhalten Arbeitgeber in der Pflege einen Anreiz, mit flexiblen Arbeitszeitmodellen für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen, die Arbeitsorganisation und Schichtplanung zu optimieren und ihre Führungsstrukturen weiterzuentwickeln.

Denn geklärte Leitungsverantwortung und eine kooperative Führungskultur sorgen für ein gutes Zusammenspiel der Professionen und für mehr Selbstständigkeit und Mitverantwortung im Pflegealltag.

Pflege braucht Gestaltungsspielräume und Vertrauen. Darum sehe ich die Vorschläge zu mehr Qualitätskontrolle und "Überwachung" von Qualitätsstandards eher kritisch. Denn jede zusätzliche Kontrolle erhöht den Druck im Arbeitsalltag, schafft neue Nachweispflichten. Angesichts der Arbeitsverdichtung ist es unbedingt nötig, Regulierungen und Bürokratie auf das unbedingt Notwendige zu begrenzen. Anreize zur Qualitätsentwicklung, Auszeichnung für exzellente Pflege u.a. werden eher zu guter Pflege führen.

Die Pflege - ob ambulant oder stationär - braucht eine Qualitäts- und Qualifizierungsoffensive. Gerade für ein gelingendes Zusammenspiel der unterschiedlichen Professionen in der Pflege im bereits bestehenden Personalmix ist es wichtig, die examinierten Fachkräfte in ihrer Professionalität zu stärken. Sie sind die eigentlichen Pflegeprozessgestalter. Sie haben durch ihre Ausbildung eine umfassende Methodenkompetenz, um auch komplexe Pflegeprozesse handhaben und steuern zu können. Sie haben neben der fachlichen auch die soziale Kompetenz, die für eine am pflegebedürftigen Menschen orientierte Versorgung nötig ist. Denn in der Altenpflege geht es immer auch darum, Lebensqualität zu fördern.

Dafür brauchen die Einrichtungen und Dienste Gestaltungsspielräume jenseits standardisierter Abläufe. Pflegerische Leistung kann keine Produktion nach Gebrauchsanweisung sein. Darum werbe ich für weniger Kontrolle und mehr Zutrauen. Und freue mich über den Impuls, die Humanität in der Pflege zum täglichen Lernfeld zu machen.

Die Potenziale der Digitalisierung sowohl für die Unterstützung pflegender Angehöriger als auch für die Weiterentwicklung der Pflegeberatung schneller und umfassender zu nutzen, sollte mit den Partnern im Land unbedingt genutzt werden. Insgesamt begrüße ich die TK-Initiative „Update in der Altenpflege“. Sie liefert wichtige Denkanstöße und gute Vorschläge zur Verbesserung der Situation in der Pflege.

Manche Anregungen, wie z.B. die Förderung der Digitalisierung, werden bereits mit dem Sofortprogramm Pflege der Großen Koalition aufgenommen. Weitere Ansätze sind im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege zu verorten, wo sie gemeinsam mit den anderen Akteuren in der Pflege breit diskutiert werden können. Ja, Pflege in Deutschland ist tatsächlich in Bewegung. Und es ist gut, dass sich die TK konstruktiv und mit eigenen Impulsen einbringt.