TK: Herr Dr. Jung, es wird immer wieder über den Pflegenotstand gesprochen und geschrieben. Wie bewerten Sie im Saarland die aktuelle Lage in der Pflege - auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Dr. Magnus Jung: Die Situation in der Pflege ist in weiten Bereichen sehr angespannt: viel Druck, wenig Zeit und wenig Verlässlichkeit für die Beschäftigten. Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte und dafür müssen sich die Bedingungen bessern. Pflege ist ein schöner Beruf und für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Da reicht Klatschen nicht, auch wenn Anerkennung wichtig ist. Am Ende muss alles, was besser werden soll, auch bezahlt werden - und zwar von allen.

Dr. Magnus Jung

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses

TK: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird auch in den nächsten Jahren immer weiter steigen. Wie können Pflegekräfte aus Ihrer Sicht neu gewonnen beziehungsweise länger im Beruf gehalten werden?

Dr. Jung: Arbeitsbedingungen und Bezahlung müssen besser werden, damit die Zufriedenheit der Beschäftigten steigt. Ich will, dass weniger Menschen dem Pflegeberuf den Rücken kehren und diejenigen, die aus der Pflege ausgestiegen sind, zurückkommen. Mit der Reform der Pflegeausbildung und er Einführung des Pflegeassistenten sind gesetzliche Regelungen geschaffen worden. Oft muss auch die Vereinbarkeit von Pflegeberuf und Familie verbessert werden.

TK: Die generalistische Pflegeausbildung ist in diesem Jahr angelaufen. Was erhoffen Sie sich durch diese neue Struktur?

Dr. Jung: Ich hoffe, dass mehr Menschen eine gute Ausbildung erhalten, insbesondere in der Altenhilfe. Ich bin sicher, dass die generalistische Ausbildung durch fachspezifische Fort- und Weiterbildung ergänzt werden muss. Insgesamt brauchen wir ein flexibles und durchlässiges System. Wichtig ist mir vor allem, die Zahl der Ausbildungsabbrecher gering zu halten.

TK: Kann die Digitalisierung, beispielsweise Smart-Home-Technologien, Ihrer Meinung nach eine Verbesserung der aktuellen Situation bewirken?

Dr. Jung: Digitalisierung bietet viele Chancen, die genutzt werden müssen. Wichtig ist, dass Veränderungen freiwillig stattfinden und zum Vorteil der Patienten sein müssen. Es geht also nicht um die Frage des ob, sondern des wie. Am Ende brauchen wir aber in Medizin und Pflege immer den Kontakt zu den Menschen. Eine Berührung oder einen Blickkontakt kann man digital nicht ersetzen.

TK: Und zum Abschluss: Wie ist der Vorschlag Ihrer Partei, die Finanzierung der Pflege zukunftssicher zu gestalten?

Dr. Jung: Pflege findet im Krankenhaus statt, in der Altenhilfe und den Familien. In der Altenhilfe haben wir leider keine Vollversicherung. Das müssen wir ändern. Der Bereich bietet sich auch als erster für die Einführung einer Bürgerversicherung an, die sich aus Beiträgen und Steuermitteln finanziert. Das wäre solidarischer als das jetzige System. Die SPD fordert dies seit Jahren.

Zur Person

Dr. Magnus Jung sitzt seit 2009 für die SPD im saarländischen Landtag. Seit 2014 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Dem Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sitzt er seit 2017 vor.