Was es mit dieser Werbekampagne auf sich hat, erklärt Clemens Maurer, Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH, im Interview.

TK: Ihre vorhandenen Mitarbeiter sind aktiver Teil einer Kampagne, die zum Ziel hat, neue Mitarbeiter für Ihr Haus zu gewinnen. Wie genau sieht das aus?

Clemens Maurer: Aufgrund des demografischen Wandels und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels war uns früh klar, dass wir es nur mit vielen verschiedenen Maßnahmen schaffen werden, personelle Engpässe für unser Haus zu minimieren.

Wir haben vieles getan, um die Arbeitsbedingungen und das Image des Hauses sowie des Pflegeberufs zu verbessern. Wir haben unter anderem die Pflegedirektion neu positioniert und aufgestellt. Wir haben unser Haus mit dem Audit berufundfamilie zertifizieren lassen, um uns noch familienfreundlicher und lebensphasenorientierter auszurichten. Wir ermutigen unsere Mitarbeitenden sich fort- und weiterzubilden und unterstützen dies zeitlich wie finanziell. 

Clemens Maurer

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Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH und Sprecher der Geschäftsführung
Wir sind mit 3.350 Mitarbeitenden und mehr als 150.000 Patienten im Jahr ein Haus der Maximalversorgung und der umfassenden Notfallversorgung, das ein sehr großes medizinisches und pflegerisches Spektrum bietet - sowohl an Arbeitsplätzen, -möglichkeiten und -modellen. 

Und als kommunales Haus zahlen wir Tarifgehalt plus Zusatzversorgungskasse. Wir bieten finanziell sehr attraktive Jobtickets an und eine Kultur der offenen Tür auf allen Ebenen. Bei uns ist vieles in Bewegung und bisher gelingt es uns auch gut, viele Mitarbeitende dabei mitzunehmen - das spiegelt auch die hohe Zufriedenheit bei der Mitarbeitenden-Befragung wider. 

Mit so vielen positiven Aspekten ausgestattet, ärgert es, wenn die Pflege per se schlecht gemacht wird. Denn es ist überhaupt nicht hilfreich, immer wieder "die Arbeitsbedingungen" und "die geringen Löhne" anzuprangern mit Slogans wie "Pflege am Boden". So wird nur der Beruf kaputt gemacht. Ja, auch wir sind der Ansicht, dass die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen, die uns von den Kostenträgern vorgegeben werden, besser werden sollten. Aber: Wir haben viele Mitarbeitende bei uns im kommunalen Haus, die selbstbewusst und stolz auf sich und ihre Arbeit in der Pflege sind.

Wen wollen wir denn für unsere Arbeitsplätze gewinnen, wenn all das Positive in dem allgemeinen Lamento untergeht? Das war unser Ansatz: Wir zeigen positive Gegenbeispiele. Authentische Pflegekräfte, die stolz und selbstbewusst gerne im Klinikum Darmstadt arbeiten. Jung und Alt, mit Zusatzweiterqualifikation und ohne. Alle unter dem Motto vereint: Mach Deine Stärke zum Beruf.

TK: Wie sind Sie auf die Idee gekommen und wie haben Sie Ihre Mitarbeiter für die Teilnahme an dieser besonderen Werbekampagne motiviert?

Maurer: Die Idee, die eigene persönliche Stärke in den Mittelpunkt der Kampagne zu stellen, hat intern schnell gezündet. So wird der Beruf der Pflegefachkraft aufgewertet und wir konnten damit aufzeigen, dass die Vielfalt des Berufes Raum lässt für die eigene Persönlichkeit. Wir haben intern alle Pflegekräfte aufgefordert, uns ihre Stärke zu zeigen und mit ihrem Gesicht dafür einzustehen. Der Rücklauf war überwältigend, so dass wir die Qual der Wahl hatten, zehn Menschen auszuwählen.

Zehn Pflegefachkräfte stehen seitdem als Fachkraft Rücken an Rücken mit ihrem privaten Ich. Diese Motive haben wir nicht nur klassisch über Postkarten, Plakate und online über Social-Media-Kanäle ausgespielt. Wir haben zusätzlich eine ganze Straßenbahn mit Fotos von vier Pflegekräften beklebt, die jetzt schon seit Mai 2019 durch die ganze Stadt bis in die Stadtteile tourt. Auch beim größten innerstädtischen Musikfestival Schlossgrabenfest mit mehr als 400.000 Besuchenden waren wir mit unserer Kampagne sichtbar. 

TK: Hat sich dieses Vorgehen bei der Personalgewinnung für das Klinikum Darmstadt bewährt?

Maurer: Auf jeden Fall - und das doppelt. Denn die Kampagne hat auch nach innen stark gewirkt. Die Berufsgruppe Pflege steht damit sichtbar im Fokus. Zwar suchen auch wir immer Pflegekräfte, die uns unterstützen wollen. Aber wir mussten und müssen bisher nur selten Betten schließen, weil wir keine ausreichende Anzahl von Pflegefachkräften hatten.

Die Bewerberlage hat sich enorm positiv verbessert in den vergangenen zwölf Monaten. Dabei haben auch unsere weiteren Marketingaktionen geholfen: Zum Beispiel unser Speed-Dating in der Straßenbahn. Das Format werden wir im April 2020 wieder anbieten. Dazu mieten wir "unsere" Straßenbahn an und bieten allen Interessierten mitten in der Stadt die Möglichkeit, uns zwanglos kennenzulernen und direkt Kontakte mit Pflegekräften und Mitarbeitenden der Personalabteilung zu knüpfen. Auch dieses Format kam richtig gut an. Im Sommer konnten wir so innerhalb von drei Stunden mit 80 Menschen sprechen und mehr als 20 Bewerbungsmappen direkt in Empfang nehmen.

Zur Person

Clemens Maurer (geb. 1961 in Wuppertal) ist seit 2013 Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH und Sprecher der Geschäftsführung. Der gelernte Diplom-Verwaltungswirt und Krankenhausbetriebswirt ist seit 18 Jahren im Krankenhausmanagement aktiv, davor arbeitete er acht Jahre im Reha-Management.

Bevor er nach Darmstadt kam, war Maurer als Manager in Veränderungsprozessen in öffentlichen Krankenhäusern für Nordlicht Management Consultants GmbH, Hamburg, tätig. Davor war Maurer Geschäftsführer in der Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinik Bergmannsheil GmbH in Bochum und im Katholischen Klinikum Duisburg gGmbH. Clemens Maurer ist Vorstandsmitglied der Hessischen Krankenhausgesellschaft und Vorstandsvorsitzender des Klinikverbunds Hessen.