TK: Inwieweit können auch Kliniken die sozialen Medien nutzen, um neue Pflegekräfte für sich zu gewinnen?

Ann-Marie Quetz und Moritz Emig: Gerade Kliniken, die qualifiziertes Personal suchen, können in jeder Hinsicht die sozialen Medien nutzen. Für jede Zielgruppe findet sich ein geeigneter Kanal. Mit der richtigen Kommunikation kann man hier viel bewegen und die richtigen Kräfte für sich gewinnen. Durch die vielen Targeting-Möglichkeiten, die es in den sozialen Medien gibt, können genau die Personen angesprochen werden, die für den Job interessant sind. Vor allem, da die meisten qualifizierten Kräfte nicht auf Jobsuche sind, müssen sie dort angesprochen werden, wo sie sich tagtäglich aufhalten und das sind nun mal die sozialen Medien.

Ann-Marie Quetz

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Head of Marketing bei Reachlix
Hier können Kliniken mit kreativen und ansprechenden Inhalten eine große Anzahl von potentiellen Kandidaten ansprechen und für sich gewinnen. Durch den gezielten Einsatz von speziellen Career-Landingpages (das sind Webseiten, die gezielt auf die Stellenanzeige und die jeweilige Werbeanzeige angepasst sind) optimieren wir in diesem Bereich die Kampagnen und sorgen für maximale Erfolge bei unseren Social-Recruiting-Maßnahmen. Die Kombination aus Kreativität und dem richtigen Targeting führt hier zum Erfolg. Ein großer Trend aktuell im Marketing ist auch das Purpose-Marketing, und was hat mehr "Purpose" als die Pflege?

TK: Was bedeutet Purpose-Marketing im Kontext Pflege genau?

Quetz und Emig: Beim Purpose-Marketing geht es darum, den Sinn des Unternehmens und seine Daseinsberechtigung zu kommunizieren und sich dabei vor allem gesellschaftlich wichtigen Themen zu widmen. Hier können Kliniken für den Bereich Pflege hervorragend emotionale Attribute ansprechen und kommunizieren, welche die Menschen berühren und ihnen bewusst machen, wie gerne auch sie Teil von etwas Sinnhaftem sein wollen bzw. schon sind.

Moritz Emig

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Gründer und Geschäftsführer der Agentur Reachlix
In entsprechenden Kampagnen muss also ganz emotional vermittelt werden, dass der Pflegeberuf ein besonders schöner ist, weil man hier ganz eng mit Menschen zusammenarbeitet, ihnen hilft, wieder gesund zu werden, und insgesamt einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft leistet. 

TK: Wie funktioniert das von Ihnen angesprochene Targeting?

Quetz und Emig: Facebook, Instagram und Co. analysieren die Profile und Daten ihrer Nutzer. Dadurch haben sie ein ziemlich genaues Bild davon, was das für Personen und Personengruppen sind, die ihre Dienste nutzen. Von diesen Analysen profitieren all jene Unternehmen, die Werbung auf den Social-Media-Plattformen schalten. Anzeigen können so ganz gezielt nur jenen Nutzern angezeigt werden, die Werbetreibende tatsächlich ansprechen wollen.

Eine Stellenanzeige, die ausgebildete Pflegekräfte dazu bringen soll, den Arbeitgeber zu wechseln, wird so z.B. nur Usern anzeigt, die bereits als Pflegekräfte in Kliniken tätig sind. Streuverluste gibt es dadurch kaum noch.

TK: Halten Sie den Einsatz von Influencern im Gesundheitswesen, z.B. zur Fachkräftegewinnung in Kliniken, für sinnvoll? Wenn ja, welche Influencer könnten dies sein?

Quetz und Emig: Auf jeden Fall, vor allem auf Instagram finden wir viele Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte, die über ihre Arbeit berichten und ihre Community durch ihren Joballtag mitnehmen, z.B. Tommy, der über jegliche Themen der Medizin aufklärt und Franzi , die ihre Community in ihren Alltag als Krankenschwester mitnimmt. Aber auch auf LinkedIn wird das Thema "Medical" immer größer und Ärzte geben ihr Expertenwissen weiter. Diese Influencer eignen sich hervorragend für das Recruiting und dafür, den Pflegeberuf positiv zu kommunizieren.

TK: Gibt es Beispiele für besonders kreative Aktionen, die Kliniken durchgeführt haben, um für sich als Arbeitgeber zu werben?

Quetz und Emig: Eine Klinik haben wir bisher noch nicht betreut, aber mit einem regionalen Gesundheits- und Fitnesszentrum zumindest einen anderen Anbieter aus der Gesundheitsbranche. Das von uns betreute Zentrum hat Social-Recruiting eingesetzt, um Mitarbeiter zu gewinnen. Kreativität spielte die Hauptrolle in dieser innovativen Personalbeschaffungs-Aktion über die Sozialen Medien. Umgesetzt wurde eine vierwöchige Recruiting-Kampagne über Facebook und Instagram. Ziel war es, Personal aus der Region anzuwerben. Werbemittel war ein Kurzclip mit jungen Leuten in einem ansprechenden Umfeld; dazu wurde eigens eine Videoproduktion gemacht. Der Erfolg des Social-Recruiting war riesig, zahlreiche passende Bewerber haben sich innerhalb weniger Tage auf der Career-Landingpage registriert und konnten zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden. Das Potential für Kliniken ist also enorm, vor allem, da sich die richtige Recruiting-Strategie auch positiv auf das gesamte Image auswirken kann.  

Zu den Personen

Ann-Marie Quetz wurde 1995 in Haan geboren. Von 2014 bis 2017 studierte sie Medien- und Kommunikationsmanagement. Anschließend war sie als Kooperationsmanagerin bei einer Influencer-Marketing-Agentur tätig. 2019 wechselte sie zu Reachlix, wo sie als Head of Marketing für die Konzeption und Umsetzung von Kampagnen zuständig ist.

Moritz Emig wurde 1994 in Frankfurt am Main geboren. Von 2015 bis 2018 studierte er Betriebswirtschaftslehre. Emig war Berater für IT und Management und Gründer einer Social-Media-Agentur in der Schweiz, bevor er Ende 2018 die Agentur Reachlix gründete, deren Geschäftsführer er ist.