Kiel, 10. April 2019. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren an - Auch in Schleswig-Holstein beziehen immer mehr Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Mit derzeit rund 110.000 Leistungsempfängern macht dies einen Anteil von 3,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung im nördlichsten Bundesland aus. Schleswig-Holstein liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt von 4,1 Prozent. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) in Schleswig-Holstein unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts mit.

Bereits heute stehen dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein zu wenig Pflegekräfte zur Verfügung. Die Lage wird sich in Zukunft noch verschärfen - sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege sowie in den Krankenhäusern. Eine bessere Vergütung allein wird es nicht richten. "Es braucht gezielte Maßnahmen, um die Arbeit in der Pflege wieder attraktiver zu gestalten", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Pflege fordert die TK einen " Masterplan für die Pflege ". 

Attraktivität des Pflegeberufs steigern


Ziel muss es dabei sein, den in allen Bereichen der Pflege Beschäftigten mehr Perspektiven zu bieten, die auch zu deren Lebenssituation passen: Flexiblere Arbeitszeitmodelle, attraktivere Rückkehrangebote nach beruflicher Auszeit, Weiterbildungsanreize und neue Karrierepfade sind mögliche Handlungsfelder. "Daneben müssen wir auch die Wertschätzung für den Pflegeberuf erhöhen. Bessere Arbeitsbedingungen spielen dabei genauso eine wichtige Rolle wie eine höhere Vergütung", sagt Schmidt-Bodenstein. Es gebe nicht den einen Weg, um die Situation in der Pflege zu verbessern, betont er. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, um sowohl den Pflegenden als auch die Pflegebedürftigen gerecht zu werden. 

TK will pflegende Angehörige durch smarte Lösungen entlasten

Ein Großteil der Pflege wird noch immer im häuslichen Umfeld von Angehörigen und ambulanten Pflegediensten verrichtet. Die körperliche und psychische Belastung für die Pflegenden ist sehr hoch. Notfallsysteme und Sensoren können hierbei entlasten. Aus diesem Grund startete die TK in Kooperation mit Philips eine gemeinsame Studie: Teilnehmende TK-Versicherte testen im Rahmen des Pilotprojekts " Sicher Zuhause " einen Funksensor, der um den Hals getragen wird. Dieser registriert Stürze und verständigt automatisch Hilfe. Zudem erstellt ein selbstlernendes System auf Basis dieser Daten einen tagesaktuellen Risikowert. Ist dieser auffällig, meldet sich ein speziell geschulter Gesundheitsberater, um mit dem Pflegebedürftigen sinnvolle Schritte zu besprechen. 

Smarte Technik und altersgerechte Assistenzsysteme haben das Potenzial, Pflegende noch stärker zu unterstützen. "Leider werden solche Smart-Home-Lösungen derzeit nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt. Deshalb fordern wir von der Politik, dass dieser entsprechend erweitert wird", so Schmidt-Bodenstein. "Diese Lösungen ermöglichen es den Pflegebedürftigen, länger in ihren eigenen vier Wänden bleiben zu können."

Pflegecoach der TK: digitaler Pflegekursus 


Speziell für pflegende Angehörige bietet die TK mit dem TK-Pflegecoach ein interaktives Portal, auf dem zum Beispiel Pflegetechniken und Maßnahmen zum Selbstschutz erlernt werden können. "Oft fehlt Angehörigen die Zeit sich auf ihre Rolle als Pflegende vorzubereiten. Deshalb bietet der digitale Pflegecoach eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, sich von zu Hause aus zu informieren", erklärt Schmidt-Bodenstein.  

Modellprojekt Procare: Doppelte Prävention in Pflegeheimen

Auch für Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeheimen hat die TK das auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Präventionsprogramm " Procare " entwickelt. Dazu gehören Maßnahmen der Gesundheitsförderung für Mitarbeiter ebenso wie gezielte Präventionsmaßnahmen für die Pflegebedürftigen - in den Bereichen Bewegung, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden. Das Projekt umfasst bundesweit mehrere Standorte und wird nach 36 Monaten wissenschaftlich evaluiert. In Schleswig-Holstein läuft das Präventionsprogramm im Altenpflegeheim Scheel in Norderstedt und im AWO Wohn- und Servicezentrum Lauenburg.