In der TK-Landesvertretung hat man sich seit einigen Monaten intensiv mit dem Thema Altenpflege beschäftigt. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind in dem Impulspapier "Update Altenpflege: Neue Perspektiven für Baden-Württemberg", zusammengefasst.

TK: Frau Mielich, laut Entwurf des Landespflegestrukturgesetzes sollen digitale Anwendungen Teil der Pflege- und Unterstützungsstrukturen werden. Können Sie praktische Beispiele nennen? Mit welchen Fördermaßnahmen rechnen Sie?

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Bärbl Mielich MdL, Staatssekretärin im Sozialministerium Baden-Württemberg

Mielich: Mit dem Landespflegestrukturgesetz wollen wir die notwendige Grundversorgung der Bevölkerung durch eine möglichst wohnortnahe, leistungsfähige und wirtschaftliche Pflege- und Unterstützungsinfrastruktur sicherstellen. Dazu zählen auch assitive Technologien und digitale Anwendungen, die einen Verbleib im vertrauten Wohnumfeld ermöglichen. In der Praxis sind das etwa Beleuchtungs-, Notfall- oder Notrufsysteme.

Mit SONIA (Soziale Inklusion durch technikgestützte Kommunikationsangebote im Stadt-Land-Vergleich) fördern wir außerdem ein Projekt, das älteren Menschen den Umgang mit digitalen Technologien näherbringt. Es ist beispielsweise immer wieder schön zu sehen, wenn auch Senioren Freude am Umgang mit dem Internet haben und sich im Chat etwa mit Angehörigen austauschen können, die weit entfernt wohnen.

Eines unserer Leuchtturmprojekte ist außerdem das von uns geförderte LebensPhasenHaus in Tübingen, in dem assitive Technologien erforscht werden und das im Jahr 2016 mit dem Deutschen Alterspreis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet wurde.

TK: Im Impulspapier "Update Altenpflege" schlagen wir eine Informationsplattform vor, die bestehende Beratungsangebote vernetzt und in einem zentralen Informationsangebot bündelt. Was halten Sie davon?

Mielich: Gerade in der Pflege müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, um die Beratung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen landesweit auf hohem Niveau sicherzustellen. In dieser Infrastruktur haben selbstverständlich auch digitale Formen der Information und Beratung ihren Platz. Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie fördert das Land bereits zwei Projekte, die in diese Richtung zielen. Dazu zählen umfassende Beratungs-, Schulungs- und Unterstützungsangebote vor Ort, die zur Kompetenzsteigerung der Pflegenden beitragen.

Zum anderen gehört dazu, die Versorgungssicherheit unterstützungsbedürftiger Personen zu gewährleisten. Aus der derzeitigen Beratungsstruktur soll in Baden-Württemberg eine Beratungskultur werden, in der alle Ratsuchenden am Ende ein Ergebnis in Händen halten, das ihnen nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch Sicherheit in Bezug auf pflegerische Unterstützung und Versorgung bietet.

TK: Ganz oben auf der Prioritätenliste steht das Thema Quartiersentwicklung. Welche Ziele Ihrer Strategie konnten zwischenzeitlich umgesetzt werden und was ist noch offen?

Mielich: Eine gelungene und mutige Quartiersentwicklung ist für mich eine zentrale Antwort auf die drängenden demografischen und sozialen Herausforderungen. Unsere Landesstrategie "Quartier 2020 - Gemeinsam.Gestalten.“ ist erst letztes Jahr gestartet, aber wir haben schon eine Menge auf den Weg gebracht. Mit unserem Ideenwettbewerb konnten wir zeigen, wie kreativ, engagiert und innovativ baden-württembergische Kommunen sind. Um noch viel mehr Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure bei ihrer Quartiersentwicklung zu unterstützen, wurde mit den Kommunalen Landesverbänden eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle geschaffen.

Zusätzlich haben wir eine Onlineplattform aufgebaut und bieten Fach- und Vernetzungstage zum Austauschen und Kennenlernen an. Für Kommunen und die Zivilgesellschaft stellen wir Fördermittel zur Verfügung. Offen ist noch die Frage der Qualifizierung, da viele Kommunen einen großen Bedarf im Bereich Quartierskoordination bei uns angemeldet haben. Im nächsten Jahr sollen dazu Schulungen angeboten werden. Das Beispiel zeigt, dass wir unsere Strategie als lernenden Prozess verstehen und die Rückmeldungen aus den Kommunen einfließen lassen. Insgesamt nehmen wir zur Unterstützung der kommunalen Quartiersentwicklung in den Jahren 2018 und 2019 rund 12 Millionen Euro in die Hand.