Die neue Landesregierung ist gefordert, moderne Strukturen in der Altenpflege zu schaffen. Pflegende Angehörige müssen entlastet und professionelle Pflegekräfte gestärkt werden. 

TK: Herr Koffner, die Altenpflege steckt in einem Dilemma. Arbeitsverdichtung und Qualitätsdefizite führen dazu, dass viele Pflegekräfte ihren Beruf nach kurzer Zeit wieder verlassen. Wie kommen wir aus diesem Teufelskreis wieder raus? 

Markus Koffner: Indem wir jetzt die Weichen richtig stellen - und zwar bei den heute Pflegenden. Nötig ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Wir müssen beispielsweise das Vergütungsgefüge in der Pflege überprüfen mit dem Ziel, finanzielle Beschäftigungsanreize zu geben. Eine größere Lohnspreizung erhöht den Anreiz zur Weiterbildung und stärkt die Qualität der Pflege.

Markus Koffner

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Leiter Regionales Vertragswesen, TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Zudem braucht es eine moderne, digital unterstützte Arbeitsorganisation mit flexiblen Arbeitszeiten und variablen Tätigkeitsinhalten sowie konkrete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung Prävention. Nicht zuletzt sind neue Karrierepfade und Aufgabenfelder notwendig, um die Pflege attraktiver machen.  

TK: Das allein ist schon eine riesige Herausforderung. Wie kann man darüber hinaus die Situation der pflegenden Angehörigen verbessern?

Koffner: Auch da gibt es eine Reihe von Maßnahmen. Ein zentrales Element ist die Kurzzeitpflege (KZP). Die Engpässe bei steigender Nachfrage müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Angebote Schritt halten. Nach einer Entlassung aus dem Krankenhaus beispielsweise müssen Angehörige darauf vertrauen können, dass die Betreuung gesichert ist.

Wichtig sind zudem moderne und vernetzte Beratungsangebote. Zwar gibt es in Baden-Württemberg schon etliche Informationsstellen wie etwa die Pflegestützpunkte. Was jedoch fehlt ist eine smarte Vernetzung der Angebote. Digitale Initiativen wie der Heimfinder NRW könnten hier mehr Transparenz und einen schnelleren Zugang schaffen.
 
TK: Was erwarten Sie konkret von der neuen Landesregierung?

Koffner: Die neue Landesregierung sollte den Sektorenübergreifenden Landesausschuss für Gesundheit und Pflege beauftragen, innerhalb eines Jahres unter Einbindung von wissenschaftlicher Expertise einen Masterplan Pflege zu erarbeiten. 

Darüber hinaus sollte die Landesregierung im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes die Basisinfrastruktur für eine landesweite "Informationsplattform Pflege" schaffen. Dieser Vorschlag wird inzwischen übrigens von zahlreichen Organisationen im Bereich der Altenpflege und vom Landkreistag Baden-Württemberg unterstützt.