TK: Sind die Pflegeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern fit für die Zukunft?

Manon Austenat-Wied: Derzeit verfügt Mecklenburg-Vorpommern über eine gute pflegerische Infrastruktur. Mit mehr als 260 stationären Pflegeeinrichtungen, rund 231 Tagespflegeeinrichtungen und über 518 ambulanten Pflegediensten ist eine flächendeckende und bedarfsgerechte pflegerische Versorgung im Land gesichert. Die stationären Pflegeheime in unserem Bundesland arbeiten überwiegend effizient. Allerdings kommt es durch die größere Nachfrage an Plätzen auch zu einer steigenden Nachfrage an Pflegepersonal. Nach meinen Eindrücken wird es immer schwieriger im ländlichen Raum, aber auch in den Ostsee-Urlaubsorten wie Zingst oder Kühlungsborn, geeignete Pflegefachkräfte zu gewinnen. Ich sehe die Fachkräftesicherung als eine zentrale Herausforderung der Gegenwart und Zukunft. Die Attraktivität des Berufsbilds Pflege muss so gesteigert werden, dass die drohenden Lücken zwischen belegten Plätzen und tatsächlichem Bedarf keine Gefahr für die Versorgung werden.   

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TK: Für eine bestmögliche Versorgung braucht es auch zukünftig innovative Konzepte. Welche Innovationen sind aus Ihrer Sicht abseits verbesserter Arbeitsbedingungen dringend nötig?

Austenat-Wied: Bessere Arbeitsbedingungen, z. B. durch flexiblere Arbeitszeitmodelle oder individuellere Weiterbildungsangeboten, sind wichtig, um die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern und bestehenden Pflegefachkräften neue Perspektiven aufzuzeigen. Für das Gesamtbild der Pflegeversorgung ist es wichtig, auch die Pflege durch Angehörige nicht aus den Augen verlieren. Immerhin macht der Anteil der Pflegebedürftigen, die von Angehörigen in Mecklenburg-Vorpommern betreut werden, fast 70 Prozent aus. Innovationen im Bereich digitaler Technologien können an dieser Stelle für mehr Sicherheit und Entlastung sorgen. Ich denke dabei vor allem an smarte Tools, die schon heute ein längeres selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Digitale Innovationen können aber auch die Arbeitsprozesse der professionell Pflegenden effizienter gestalten, so dass mehr Zeit für die Pflegebedürftigen bleibt.

TK: Gibt es Entwicklungen in der Pflege die Sie mit Sorge betrachten?

Austenat-Wied: In MV arbeiten wir unter verschärften Bedingungen, denn in unserem Land schreitet der demografische Wandel besonders schnell voran. Nicht nur die Pflegebedürftigen werden älter, sondern auch die Pflegenden selbst. Der natürliche Alterungsprozess unserer Gesellschaft wird durch den Wegzug von Nachwuchs beschleunigt. Wenn die Zahl der Pflegebedürftigen im Zuge der demografischen Entwicklung weiter rasant steigt, wird der Bedarf an Pflegepersonal in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Dafür benötigen wir Lösungskonzepte die über eine bessere Bezahlung hinausgehen. Innovative Versorgungsformen können als zentraler Baustein die Pflege in M-V sichern.