Magdeburg, 10. Februar 2021. Die Suche nach einem geeigneten und verfügbaren Betreuungsangebot muss in Sachsen-Anhalt für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen künftig einfacher und transparenter werden. Zudem ist das Land in der Pflicht, der wachsenden finanziellen Belastung, insbesondere stationär versorgter Pflegebedürftiger, entgegenzuwirken. Mit diesen Forderungen appelliert die Techniker Krankenkasse (TK) an die Landespolitik, dem Thema Pflege mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 

"Auch wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen überwiegend in die Zuständigkeit des Bundes fallen, hat das Land Spielräume, um Pflege bezahlbar und zukunftssicher zu gestalten, und Betroffene sowie deren Familien zu unterstützen", so Steffi Suchant, Leiterin der Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Angesichts dessen, dass Sachsen-Anhalt mit knapp 48 Jahren Altersdurchschnitt Spitzenreiter aller Bundesländer ist, und mit 5,9 Prozent im Länderranking eine der höchsten Pflegequoten hat, fordert die Kasse ein zeitnahes Handeln. 

Schon jetzt ist jeder Fünfte in Sachsen-Anhalt 70 Jahre und älter. In zehn Jahren wird es Prognosen zufolge jeder Vierte sein. Das Thema Pflege betrifft immer mehr Menschen im Land. Ende 2019 erhielten fast 129.700 Sachsen-Anhalter Leistungen aus der Pflegeversicherung. Zum Vergleich: Das sind rund 49.000 mehr als noch zehn Jahre zuvor. 

In Sachsen-Anhalt mehr stationär versorgte Pflegebedürftige 

In einem Pflegefall müssen Angehörige über verschiedene Informationswege häufig aufwendig recherchieren, welche Pflegeangebote vor Ort in Frage kommen und in welcher Einrichtung ein Platz frei ist. Suchant: "In Zeiten vielfältiger digitaler Möglichkeiten ist das geradezu ein Unding und absolut nicht mehr zeitgemäß." Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl unterstreicht die Juristin: "Das Land ist gefordert, innerhalb der nächsten Legislaturperiode verbindliche Regelungen für die Meldung freier Pflegekapazitäten zu verabschieden, und diese digital gebündelt auf einer Online-Plattform zur Verfügung zu stellen. Das könnte zum Beispiel im bereits vorhandenen Internetportal der Vernetzten Pflegeberatung erfolgen."

Beispiele für funktionierende Onlineanwendungen, wie das Elternportal der Stadt Magdeburg zur Suche nach freien KiTa-Betreuungsplätzen, wären hierbei aus Sicht der TK eine mögliche Vorlage. 

Mit 22,4 Prozent liegt die Quote stationär versorgter Pflegebedürftiger in Sachsen-Anhalt deutlich über dem Bundeswert von 19,8 Prozent. Um diese finanziell zu entlasten, plädiert die TK dafür, dass das Land Sachsen-Anhalt die vom Bundesgesundheitsministerium angedachte Beteiligung der Bundesländer an den Investitionskosten der Pflegeheime je Heimbewohner und Monat im Rahmen eines Landesprogrammes um einen gesonderten Zuschuss aufstockt. 

Suchant: "Obwohl der Eigenanteil im stationären Bereich in Sachsen-Anhalt mit 1.465 Euro so niedrig wie sonst nirgends in Deutschland ist, muss hier gegengesteuert werden." Aufgrund der geringeren Löhne und Gehälter - und damit letztlich auch niedrigeren Durchschnittseinkünfte nach dem Ende des Erwerbslebens - müssen Pflegebedürftige hierzulande häufig einen prozentual höheren Teil ihres Einkommens für die Pflege aufwenden als Betroffene in anderen Bundesländern. 

Hinweis für die Redaktion 

Die Position der TK zum Thema "Pflege in Sachsen-Anhalt: "Bezahlbar, persönlich und zukunftssicher" sowie eine Übersicht von entsprechenden Zahlen, Daten, Fakten ist unter www.tk.de über die Suchnummer 2066156 abrufbar.