Mainz, der 7. April 2021. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Landesamts sind in Rheinland-Pfalz rund 200.000 Menschen auf die pflegerische Fürsorge anderer angewiesen. Bis 2035 wird diese Zahl - Berechnungen zufolge - um rund 45.000 Personen ansteigen. Die Corona-Pandemie hat den zunehmenden Fachkräftemangel in diesem Bereich noch einmal mehr vor Augen geführt.

"Nur wenn es uns gelingt, mit gezielten Maßnahmen die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern, werden wir Menschen davon überzeugen, den Pflegeberuf zu ergreifen beziehungsweise beizubehalten. Das ist allerdings eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Bund, Länder und Kommunen, aber auch öffentliche wie private Kostenträger eingebunden werden müssen", betont Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK). Auch für die Mehrheit der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer (94 Prozent) gehört die Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufs zu den wichtigsten gesundheitspolitischen Zielen der neuen Landesregierung. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK, die nur wenige Wochen vor der Landtagswahl durchgeführt wurde.

Es lassen sich noch immense Beschäftigungspotentiale heben

"Mit Regelungen des Pflegepersonalstärkungsgesetzes, verschiedenen Sonderprogrammen oder auch der Abschaffung des Schulgeldes für alle Ausbildungswege in der Pflege hat man zwar wichtige Weichen gestellt, aber es bedarf noch weiterer zielgerichteter Maßnahmen. Aktuell sind Fachkräfte in der Altenpflege durchschnittlich nämlich nur rund acht und in der Krankenpflege knapp 14 Jahre beschäftigt. Zudem sind viele Menschen nur in Teilzeit tätig", erklärt der TK-Landeschef. Simon: "Hier lassen sich immense Beschäftigungspotentiale heben, wenn die Pflegekräfte länger oder mehr in Vollzeit im Job arbeiten!"

Mehr Geld ist nicht der einzige Faktor

Für eine Attraktivitätssteigerung des Berufs ist nach Ansicht des TK-Landeschefs auch eine angemessene Vergütung eine entscheidende Voraussetzung. Es gehe aber nicht allein um mehr Geld - etwa durch flächendeckende Tarifverträge. "Damit Menschen sich für eine Tätigkeit in Vollzeit entscheiden, ist zudem eine flexible Arbeitsorganisation für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend. Hierzu gehören auch attraktive Rückkehrer-Angebote sowie gute Karrierechancen", sagt Simon. "Was die Entwicklungsmöglichkeiten angeht, hat die Politik ja mit der Generalisierung der Pflegeausbildung einen umfassenden Ansatz gewählt. Der Effekt wird allerdings erst langfristig greifen."

Hintergrund für die Redaktion:

Die Umfrage im Auftrag der TK wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 11. bis 25. Januar 2021 durchgeführt. Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Rheinland-Pfalz. Die Befragten repräsentieren einen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung im Land.