Hamburg, 26. Juni 2019. Hamburger Pflegekräfte fallen im Schnitt 22 Tage pro Jahr wegen Krankheit aus - hauptsächlich aufgrund von psychischer und körperlicher Belastung. Damit fehlen sie sieben Tage länger am Arbeitsplatz als die Gruppe der übrigen Beschäftigten. Ihre Ärzte verschreiben ihnen auch deutlich mehr Tagesdosen im Jahr - 51 DDD, das sind 22 Prozent mehr als dem Durchschnitt aller Berufstätigen. Das zeigen die Auswertungen der Gesundheitsdaten der bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Beschäftigten in der Hansestadt, die heute mit dem Länderreport zum TK-Gesundheitsreport 2019 "Pflegefall Pflegebranche? So geht’s Deutschlands Pflegekräften" veröffentlicht wurden.

"Es ist ein düsteres Bild, das wir von der Gesundheit der Hamburger Pflegekräfte bekommen", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "Sich um die Pflege von älteren und kranken Menschen zu kümmern, darf sich nicht in diesem Umfang auf die eigene Gesundheit niederschlagen. In Hamburg setzen wir uns als TK-Landesvertretung dafür ein, dass die Pflegenden in den Fokus gerückt werden - Stichwort: Betriebliches Gesundheitsmanagement. Denn nur wenn es den Pflegekräften gesundheitlich gut geht, können Sie sich gut um die Pflegebedürftigen kümmern."

Die rund 8.000 bei der TK versicherten Hamburger Pflegekräfte fehlten im Vergleich zu denen in den anderen Bundesländern an der Küste ein bis drei Tage weniger: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kamen auf 25 Fehltage, Niedersachsen auf 24. Der bundesweite Schnitt lag bei 23 Tagen.

Ein Knochenjob, der auch auf die Psyche schlägt

Der Job fordert die Gesundheit heraus. Insbesondere eine angeschlagene Psyche und Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, sind Gründe für den Ausfall. Bei psychischen Erkrankungen rangiert Hamburg mit fünf AU-Tagen auf dem dritten Platz. Nur Schleswig-Holstein und Berlin haben mehr Fehltage.

Ganz anders sieht es aus bei den Fehltagen, die durch Rückenschmerzen verursacht werden. Mit annähernd vier Tagen (3,6) belegen die Hamburger Pflegekräfte im Bundesschnitt den 16. und damit letzten Platz.

"Dass die Hamburger überdurchschnittlich länger aufgrund von psychischen Beschwerden krankgeschrieben sind, zeigten bereits die Länderreporte der vergangenen Jahre. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass die AU-Tage der Pflegekräfte Ähnliches nachweisen", sagt Puttfarcken. "Allerdings fällt auf, dass es weniger rücken- als psychisch-bedingte Fehltage gibt. Wobei der Pflege-Job besonders körperlich belastend sein muss für eine nicht mehr so junge Berufsgruppe."

So lange fehlen Pfle­ge­kräfte

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Mit durchschnittlich 26,2 Fehltagen pro Kopf, sind Pflegekräfte in Brandenburg im Vergleich zu den anderen Ländern besonders lange krankgeschrieben. Dies zeigen die Auswertungen des TK-Gesundheitsreports 2019.

Höhere Tagesdosen und mehr Antidepressiva für Pflegekräfte

Neben den Krankheitstagen lassen auch die Menge und die Art der verordneten Medikamente Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Hamburger Pflegekräfte zu. Sie bekamen höhere Tagesdosen als die anderen Beschäftigten, aber das entspricht ungefähr dem Bundesdurchschnitt. Knapp 9 Prozent der Hamburger Pflegekräfte erhielten ein Rezept für Antidepressiva. Von den übrigen Beschäftigten waren es nur knapp 5,5 Prozent.

Betriebliches Gesundheitsmanagement gemeinsam mit der Uni Hamburg

Die TK unterstützt das Modellprojekt PROCARE . Das an der Universität Hamburg entwickelte Präventionsprogramm richtet sich an pflegebedürftige Menschen, enthält aber auch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung der Pflegekräfte. Bettina Wollesen, Privatdozentin an der Universität Hamburg und Leiterin des Projekts: "Erste Ergebnisse zeigen, dass der PROCARE-Prozess von den Pflegeeinrichtungen sehr positiv aufgenommen wird. Viele möchten die neu aufgebauten Strukturen beibehalten und ausbauen. Bei den Mitarbeitern stehen ganz oben auf der Wunschliste Ergonomie-Schulungen, Rückenfitness sowie Maßnahmen zu Stressreduzierung und Entspannung. Hierbei zeigte sich, dass Pflegekräfte, die an diesen Maßnahmen teilnahmen, trotz steigender Anforderungen im Alltag ihr Belastungsempfinden reduzieren konnten. Auf Seiten der Heimbewohner gibt es sehr positive Ergebnisse in den Bereichen Bewegung, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden. Die hierdurch erweiterte Teilhabe am normalen Alltag erhöht zudem die psychische und körperliche Gesundheit."

PROCARE: Präven­tion für Pfle­ge­kräfte und Bewohner

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Ein Präventionsprogramm für Pflegeeinrichtungen, das sich an Pflegekräfte und Pflegebedürftige richtet.

Länderreport Hamburg 2019

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Hinweis für die Redaktionen

In Hamburg arbeiteten im vergangenen Jahr (2018) 7.986 Pflegekräfte, die bei der TK versichert sind - das sind 3,6 Prozent aller TK-versicherten Berufstätigen in der Metropolregion an der Elbe.

Insgesamt sind rund 227.000 Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und unter 65 Jahren in Hamburg (22,8 Prozent) bei der TK krankenversichert. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Die Daten aller TK-Gesundheitsreporte sind online auf tk.de (Suchnummer 2034298) zu finden. Im TK-Fehlzeiten-Tool lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.