Warum sehen Sie im Bereich der Pflege dringenden Handlungsbedarf?

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Dr. Barbara Voß

In Hessen stehen immer weniger Pflegekräfte einer immer größer werdenden Anzahl von Pflegebedürftigen gegenüber. Die Folge: Weniger Personal muss immer mehr Arbeit schultern. Die Pflegekräfte fühlen sich gestresst, erschöpft und hilflos. Letztlich leidet darunter auch die Qualität in der pflegerischen Versorgung. Gesellschaft, Politik und Gesundheitswesen müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, um einen akuten Pflegenotstand zu verhindern.

Wie kann aus Ihrer Sicht der Pflegeberuf wieder attraktiver gemacht werden?

Die TK ist der Ansicht, dass entsprechende Maßnahmen nicht nur auf die Gewinnung von neuen Pflegekräften ausgerichtet sein sollten. Besonders wichtig sind auch Menschen, die bereits heute in der Pflege tätig sind. Denn die Verweildauer in den Pflegeberufen ist gering: Nach durchschnittlich 11 Jahren orientieren sich ausgebildete Kranken- und Altenpfleger beruflich neu und verlassen letztendlich den Pflegeberuf. Hinzukommt, dass die Rate der Teilzeitbeschäftigen im Pflegebereich sehr hoch ist.

Es müssen also dringend Maßnahmen ergriffen werden, damit das Personal länger im Beruf bleibt und diesen dann möglichst auch in Vollzeit ausübt. Eine höhere Bezahlung der Pflegekräfte wird die Situation alleine nicht nachhaltig verbessern können. Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken und Pflegeheimen müssen sich verändern, damit der Pflegeberuf wieder attraktiver wird. Dazu gehört unter anderem, dass die Arbeitsplätze altersgerechter werden, sodass auch ältere Pflegekräfte ihn noch ausüben können. Außerdem muss es attraktivere Weiterbildungsmöglichkeiten und neue Karrierepfade für Pflegekräfte geben.

Wie schätzen Sie die Aktivitäten der Landesregierung im Bereich Pflege ein?

Der Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung lässt erahnen, dass die neue Landesregierung im Bereich Pflege einen Handlungsschwerpunkt setzen will. Das begrüßen wir sehr. Die Landesregierung hat sich unter anderem vorgenommen, bereits ausgebildete Pflegekräfte, die mittlerweile in anderen Berufen arbeiten, wieder zurückzugewinnen. Das halten wir für einen sinnvollen Weg. Nun gilt es konkrete Maßnahmen zu entwickeln, damit sich Aussteiger tatsächlich motiviert fühlen, in den Pflegeberuf zurückzukehren.

Im Koalitionsvertrag wird zudem ausdrücklich hervorgehoben, dass in Hessens Kliniken und Pflegeheimen künftig auch digitale Tools zur Anwendung kommen sollen. In der Debatte um die Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt die Pflege noch immer als Nischenthema. Es ist also bemerkenswert, dass die Landesregierung in diesem Bereich bereits die Digitalisierung mitdenkt.

Die TK ist eine Krankenkasse, die sich stark im Bereich der Digitalisierung engagiert. Welche digitalen Angebote hat die TK im Bereich Pflege im Portfolio?

Gut drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen betreut. Einen Menschen zu pflegen ist oftmals sehr belastend. Digitale Hilfsmittel können auch hier eine Entlastung darstellen. Mit dem TK-Pflegecoach, einem digitalen Pflegekurs, helfen wir Menschen, die kurzfristig die Pflege eines Angehörigen übernehmen müssen. Der Coach kann am Smartphone, Tablet oder Computer abgerufen werden und ist ein mobiles Nachschlagewerk für die wichtigsten Themen der häuslichen Pflege. Pflegende Angehörige, die sich körperlich und psychisch von ihrer Aufgabe überlastet fühlen, können sich zudem über das von der TK unterstütze Internetportal www.pflegen-und-leben.de begleitet lassen. Interessierte werden dort von geschulten Psychologen per Mail oder Video-Chat beraten.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko für ältere Menschen, die in den eigenen vier Wänden gepflegt werden, sind auch Stürze. Gemeinsam mit Philips testet die TK deshalb aktuell ein innovatives Hausnotrufsystem. Bei dem Projekt "Sicher Zuhause" tragen die älteren Menschen einen Sensor, der Stürze schneller meldet und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Stürze sogar vorhersagen kann. Die Senioren erhalten so schnelle Hilfe und die Angehörigen müssen sich weniger sorgen.