Zentraler Punkt der Pflegereform ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und damit verbunden die Umwandlung von Pflegestufen in Pflegegrade. Auf diese Weise soll allen Menschen ein gleichberechtigter Zugang zu Pflegeleistungen ermöglicht, soll eine neue Philosophie in Sachen Pflege etabliert werden.

Die Pflegebedürftigkeit wurde bislang in vier Pflegestufen bemessen. Seit 2017 geschieht dies durch nunmehr fünf Pflegegrade. Bezog sich die Pflegebedürftigkeit bislang lediglich auf körperliche Einschränkungen, werden zukünftig auch geistige und seelische Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt.

Durch eine andere Art der Begutachtung soll somit  differenzierter bewertet werden, wie pflegebedürftig ein Mensch ist. Unter anderem an Demenz Erkrankte hatten bislang erschwerten Zugang zu Pflegeleistungen, weil sie rein körperlich kaum beeinträchtigt sind. Die Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade geschieht automatisch.

So wird umgestellt

  • Aus Pflegestufe 0 wird Pflegegrad 1
  • Aus Pflegestufe 1 + eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 2
  • Aus Pflegestufe 2 wird Pflegegrad 3
  • Aus Pflegestufe 2 + eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 4
  • Aus Pflegestufe 3 wird Pflegegrad 4
  • Aus Pflegestufe 3 + eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 5

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege, die mehr als die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung benötigen, haben unter Umständen eine eingeschränkte Alltagskompetenz. Hierunter fallen Personen mit Pflegestufe I, II oder III mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen.

Begutachtung in der Pflege

Für die Pflegeeinstufung ist seit 2017 nicht mehr der Grad der Hilfebedürftigkeit entscheidend, sondern der Grad der individuellen Selbständigkeit. Damit sind nun auch explizit Menschen mit demenziellen Tendenzen in den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff mit einbezogen.

In sechs relevanten Lebensbereichen beurteilen Gutachter, inwieweit ein Mensch noch in der Lage ist, sich selbst zu versorgen und in welchem Maße pflegerische Unterstützung benötigt wird.

Bei Menschen, denen bereits eine Pflegestufe zuerkannt wurde, gilt die Formel: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet, Menschen mit geistigen Einschränkungen kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad.

Das Minutenzählen hat ein Ende

Wurde bislang gemessen, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, einen Menschen zu pflegen, gelten seit 2017 neue Maßstäbe bei der Begutachtung. Das Minutenzählen hat ein Ende, um der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht zu werden.

Es wird also nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen differenziert. Ausschließlich der Grad der Selbstständigkeit ist entscheidend darüber, ob jemand pflegebedürftig ist.

Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) bewerten seit 2017, indem sie in sechs verschiedenen Bereichen Punkte vergeben. Umso höher die Gesamtzahl, desto höher der sich ergebende Pflegegrad.

Die sechs Bereiche im Überblick

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Einheitlicher Eigenanteil in Pflegeheimen

Eine weitere bedeutende Neuerung ist die Einführung des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils bei der stationären Pflege. Die Regelung, dass der Eigenanteil mit der Pflegestufe steigt, entfällt seit 2017.

Dann werden die Eigenanteile einheitlich für die jeweilige Einrichtung erhoben. Alle zahlen also das Gleiche, unabhängig vom Pflegegrad.

Der sogenannte Bestandsschutz garantiert dabei, dass die Pflegekasse mögliche Differenzbeträge zahlt. Diese kann es geben, wenn der neue Eigenanteil am 1. Januar 2017 höher war als der bisherige.

Für den Fall, dass der Eigenanteil nach dem 1. Januar 2017 gestiegen ist, muss der dann erhöhte Betrag vom Bewohner gezahlt werden. Unterschiede zwischen verschiedenen Einrichtungen wird es weiterhin geben.

Ansprechpartnerin Presse

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