In keinem anderen Bundesland werden so viele pflegebedürftige Menschen von ihren Angehörigen gepflegt wie in Baden-Württemberg. Das Engagement der Baden-Württemberger steht daher außer Frage - nun braucht es neue Ideen, um diese pflegenden Angehörigen zu stärken. Gleichzeitig muss es gelingen, mehr Menschen für die professionelle Pflege zu gewinnen. Entlastung und Vernetzung sind dabei zentrale Faktoren für eine moderne, leistungsfähige und menschenwürdige Pflegeversorgung.

Entlastung pflegender Angehöriger und Stärkung professioneller Pflegekräfte

Großes Potenzial für die Entlastung liegt bei den heute tätigen Pflegekräfte in der Altenpflege. Viele Pflegekräfte verlassen ihren Beruf bereits nach kurzer Zeit wieder. Und rund 65 Prozent der Pflegekräfte in Baden-Württemberg üben ihren Beruf nur in Teilzeit aus. Durch angemessene Vergütung und faire Arbeitsbedingungen muss es gelingen, mehr Menschen in den Pflegeberufen halten zu können.

Ein weiterer Baustein für die Entlastung der Angehörigen ist die Kurzzeitpflege. Die Nachfrage nach Plätzen in der Kurzzeitpflege übersteigt jedoch das vorhandene Angebot. Hier müssen weitere Plätze geschaffen werden, denn die Kurzzeitpflege spielt auch eine unverzichtbare Rolle bei der bruchlosen Nachversorgung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Auf dem Weg zu mehr Vernetzung

Pflegende Angehörige, Gepflegte und Pflegepersonal benötigen moderne, vernetzte Beratungs- und Unterstützungsstrukturen. Immer neue Informationsquellen zu schaffen wäre jedoch der falsche Weg. Es geht vielmehr darum, bereits bestehende Angebote smart zu vernetzen. Digitale Initiativen wie der Heimfinder NRW (eine appbasierte, landesentwickelte Plattform über freie Heimplätze) könnten Transparenz und direkten Zugang zu Angeboten schaffen.

Vorschläge der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Die Landesregierung strebt an, Deutschlands attraktivster Arbeitsort für professionell Pflegende zu werden. Sie beauftragt den Sektorenübergreifenden Landesausschuss für Gesundheit und Pflege, innerhalb eines Jahres unter Einbindung von wissenschaftlicher Expertise einen Masterplan Pflegeberufe zu erarbeiten und dabei den Fokus auf fünf Themenbereiche zu legen:

  1. Eine Überprüfung des Vergütungsgefüges in der Pflege mit dem Ziel, finanzielle Beschäftigungsanreize zu geben, ohne die Leistungsfähigkeit von Pflegebedürftigen und Sozialhilfeträgern außer Acht zu lassen.
  2. Eine größere Lohnspreizung, die den Anreiz zur Weiterbildung erhöht und die Qualität der pflegerischen Versorgung stärkt.
  3. Eine moderne, digital unterstützte Arbeitsorganisation, die mit flexiblen Arbeitszeiten und variablen Tätigkeitsinhalten den jeweiligen Lebensphasen der Pflegenden gerecht wird.
  4. Konkrete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention für die Pflegenden.
  5. Neue Karrierepfade und Aufgabenfelder, die die berufliche Laufbahn am Bett und im unmittelbaren Umfeld interessanter machen.

Aus den Sonderregelungen während der Corona-Pandemie können wertvolle Erfahrungen zum Angebot von KZP abgeleitet werden. Nach der Wahl wird dies zusammen mit den Erkenntnissen der letzten Maßnahmen im Aktionsbündnis Kurzzeitpflege diskutiert.

Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes schafft das Ministerium für Soziales und Integration die Basisinfrastruktur für eine landesweite "Informationsplattform Pflege". Dieser Vorschlag der TK wird inzwischen von zahlreichen Organisationen des "Bündnis Sozialpartnerschaft in der Altenhilfe neu denken" (SPND) und vom Landkreistag Baden-Württemberg unterstützt. Das neue Landeskompetenzzentrum PflegeDigital@BW kann hier seine Expertise einbringen. Auf der Plattform stellen die Akteure ihr Angebot für Beratung und Leistungen gebündelt ins Netz. Auf dieser Plattform werden perspektivisch - z.B. durch die Pflegestützpunkte - auch digital unterstützte Beratungen wie eine (video-) telefonische Erstberatung angeboten.

Weitere Perspektiven für eine erhöhte Attraktivität des Pflegeberufs und mehr Qualität in der Altenpflege.