Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Menschen in Pflegeberufen überdurchschnittlich oft und auch länger krankgeschrieben. In Schleswig-Holstein fallen Kranken- und Altenpflegekräfte im Schnitt jährlich für 24,9 Tage krankheitsbedingt aus. Das entspricht fast neun Tage mehr, als in der Vergleichsgruppe aller Beschäftigten (16,35 Tage). Besonders viele Fehltage in den Pflegeberufen gehen in Schleswig-Holstein auf das Konto von psychischen Störungen und Krankheiten des Bewegungsapparats.

Prof. Sascha Köpke

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Prof. Dr. Sascha Köpke, Leiter des Bereiches Forschung und Lehre in der Pflege an der Universität zu Lübeck, beantwortet im Interview was getan werden muss, damit Pflege nicht mehr krank macht. Darüber hinaus stellt er auch das Projekt PEKo zur Gewaltprävention in der Pflege vor.

Inter­view mit Prof. Sascha Köpke zu Präven­tion in der Pflege

Gewaltprävention in der stationären Pflege: Das Modellprojekt PEKo

Bisher gibt es erst wenige bis kaum Angebote zur Gewaltprävention in der Pflege. Gewaltereignisse im Kontext Pflege gehören zum Alltag sind aber ein Tabuthema - eine problematische Konstellation für die Betroffenen. Laut einer Studie aus dem Projekt PEKo berichteten 63 Prozent der Pflegekräfte innerhalb der vergangenen sechs Monate körperliche Gewalt durch Bewohnerinnen oder Bewohner erlebt zu haben. 35 Prozent gaben an, körperliche Gewalt an Pflegebedürftigen beobachtet zu haben.

Hier setzt das Modellprojekt PEKo (Partizipative Entwicklung und Evaluation eines multimodalen Konzeptes zur Gewaltprävention) an: In Zusammenarbeit mit der Universität zu Lübeck, der Hochschule Fulda und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werden Konzepte zur Gewaltprävention - sowohl gegen Pflegebedürftige als auch gegen Pflegekräfte - entwickelt und in einem Netzwerk teilnehmender Einrichtungen etabliert und evaluiert. Eine zentrale Rolle nehmen dabei Multiplikatoren aus der Praxis ein: Sie vernetzen die wissenschaftliche Projektbasis mit den Einrichtungen und halten die Projektschritte im Pflegealltag über die Berufsgruppen hinweg nach. So werden gemeinsam mit allen Beteiligten Interventionen entwickelt, um mehr Handlungssicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen zu erlangen und somit Gewaltvorfälle zu vermeiden. Dadurch entstehen passgenaue Konzepte, die nachhaltig in den teilnehmenden Einrichtungen verankert werden. Derzeit nehmen rund 40 Pflegeeinrichtungen an PEKo teil. In Schleswig-Holstein nehmen derzeit zwölf Einrichtungen (vier im Kreis Schleswig-Flensburg, fünf in Lübeck, eine in Itzehoe und zwei im Kreis Nordfriesland) teil.

Gesunde Strukturen schaffen

Damit der Pflegeberuf auch in Zukunft ausgeübt werden kann, ist eine stabile Gesundheit von großer Bedeutung. Dazu muss die Rahmenbedingungen in diesem Berufsfeld so verändert werden, dass auch die Gesundheit der Pflegekräfte gefördert wird.  Die TK unterstützt Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeiter, für Patienten und für Pflegebedürftige. Mit dem Förderantrag Starke Pflege  der TK können Projekte zum Gesundheitsmanagement initiiert und langfristig aufgebaut werden.