Karlsruhe, 13. August 2019. Ein auf die Bedürfnisse von Pflegeeinrichtungen abgestimmtes Präventionsprogramm zu erarbeiten und zu implementieren - das ist das Ziel des Modellprojekts "PROCARE". Dazu gehören Maßnahmen der Gesundheitsförderung für Mitarbeiter, ebenso wie gezielte Präventionsmaßnahmen für die pflegebedürftigen Bewohner. Hierfür arbeitet die Techniker Krankenkasse (TK) auch mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zusammen.

Projekt bindet sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter ein

"Gerade in Pflegeheimen ist Prävention eine doppelte Herausforderung: Viele Bewohner sind von mehreren körperlichen Einschränkungen betroffen und die Mitarbeiter erleben einen belastenden Berufsalltag", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. "Mit PROCARE nehmen wir erstmals das gesamte Setting Pflegeheim in den Fokus der Prävention."

In Baden-Württemberg wurden jeweils sechs Einrichtungen in den Regionen Karlsruhe und Stuttgart gewonnen. Die Projektverantwortlichen des KIT sind in Karlsruhe im Alten- und Pflegezentrum St. Anna, dem Benckiserstift und dem Matthias-Claudius Haus aktiv. Hinzu kommen der Kronauer Hof und der Quellenhof in Bad Schönborn sowie das Heim St. Franziskus in Phillippsburg.

Maßnahmen verfolgen unterschiedliche Ziele

In den Prozess der Gestaltung und Planung der Präventionsmaßnahmen werden alle Beteiligten der Einrichtungen integriert. "So können wir mit den Maßnahmen unterschiedliche Ziele verfolgen", erklärt Projektleiterin Dr. Claudia Hildebrand vom Institut für Sport und Sportwissenschaften am KIT. "Während es bei Pflegebedürftigen darum geht, Ressourcen möglichst lange zu erhalten, werden bei den Mitarbeitern zu Beginn des Projekts die Bedarfe analysiert."

Die entsprechenden Maßnahmen umfassen dann zum einen Multikomponentenprogramme (Förderung der körperlichen Aktivität, Kognition sowie psychosoziale Gesundheit) für die Bewohnerinnen und Bewohner und andererseits zum Beispiel Ergonomie-Schulungen und gesundheitssportliche Aktivitäten für die Mitarbeiter.

Welchen Belastungen sind Mitarbeiter in Pflegeheimen ausgesetzt?

Mit Ende des Projekts sollen dann gesicherte Erkenntnisse darüber vorliegen, unter welchen Voraussetzungen Präventionsarbeit in der stationären Pflege gelingen kann. Darüber hinaus wird geschaut, welchen spezifischen körperlichen wie psychischen Belastungen Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen ausgesetzt sind und welche Effekte gezielte gesundheitsfördernde Maßnahmen haben. Bei den Bewohnern werden die spezifischen Bedürfnisse erfasst und die Effekte des Multikomponentenprogramms untersucht. Schlussendlich können die Ergebnisse in Handlungshilfen und Programmen für das Setting stationäre Pflege einfließen.

Fehlzeiten bei Pflegekräften in Baden-Württemberg

Hinweis für die Redaktion

Das Modellprojekt PROCARE läuft bundesweit. Es werden Pflegeeinrichtungen in den Großräumen Hamburg, Bremen, Paderborn, Stuttgart, Karlsruhe, Erlangen-Nürnberg, Chemnitz und Frankfurt betreut. Diese werden wissenschaftlich von unterschiedlichen Universitäten in Deutschland begleitet und systematisch evaluiert.