Kurz vor Ende der Bundestagswahlen ist die Pflege stark in den Fokus der Politik geraten. Das hat sich auch in den Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen niedergeschlagen - und das ist auch gut so!

2030 werden rund 3,5 Millionen Menschen auf fremde Hilfe angewiesen sein

Schließlich gibt es fast drei Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland und die Zahl wird weiter steigen. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 2030 rund 3,5 Millionen Menschen auf fremde Hilfe angewiesen sein werden, zumal Deutschland eine der ältesten Bevölkerungen hat - sowohl in Europa als auch weltweit. Das Jahr 2030 klingt zwar, als läge es noch in ferner Zukunft. Mit Blick auf die Pflege ist es aber eher "übermorgen". Denn Pflegekräfte, die wir heute nicht für den Beruf begeistern, werden in gut zehn Jahren dort auch nicht arbeiten.

Schon heute werden mehr Pflegekräfte gebraucht 

Laut Koalitionsvertrag sollen 8.000 neue Fachkräftestellen in Pflegeeinrichtungen geschaffen werden. Es ist unstrittig, dass es hier einen höheren Bedarf an Personal gibt. Schon heute werden mehr gut ausgebildete und motivierte Pflegekräfte gebraucht. Aber woher sollen diese kommen? Daher gilt es, so pfleglich und schonend wie möglich mit der wertvollen Ressource "Pflegekraft" umzugehen. Die drei drängendsten Fragen, die hierfür beantwortet werden müssen sind:

1. Wie können wir mehr Menschen für die Pflege gewinnen?

Wie bereits erwähnt, müssen wir mehr Menschen für den Pflegeberuf begeistern und in die Ausbildung bringen, damit sie zukünftig den zu Pflegenden zur Seite stehen können. Die Streichung des Schulgeldes war schon in der letzten Legislaturperiode hierfür ein wichtiger Impuls. Es ist für den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen insgesamt zu begrüßen, dass dies nun auch für die Ausbildung anderer Heilberuf gelten soll. Das alles sind aber Maßnahmen, die erst in Zukunft greifen werden.

2. Wie können wir diese Pflegenden optimal einsetzen?

Im Krankenhausbereich leisten wir uns in Deutschland zu häufig ineffiziente Strukturen. Gerade Rheinland-Pfalz ist geprägt durch viele kleine Krankenhäuser, die oftmals nicht genügend spezialisiert sind. Besonders in den Ballungsgebieten an den Ländergrenzen führt dies zu Doppelstrukturen. Eine stärkere Schwerpunktbildung und Spezialisierung würde nicht nur die die Versorgungsqualität erhöhen, sondern könnte auch helfen, knapper werdende Fachkräfte, insbesondere Pflegekräfte zu halten bzw. zu gewinnen.

3. Und wie können wir sie besser entlasten?

Wir wissen aufgrund eigener Umfragen, dass die meisten Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben möchten. Hier müssen wir die Chancen der Digitalisierung viel stärker nutzen. Daher fordert die TK, dass im Rahmen der wohnumfeldverbessernden Maßnahmen auch "Smart-Home-Lösungen" in den Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegeversicherung kommen. Dazu gehören beispielsweise technische Assistenz- und Überwachungssysteme, die dazu beitragen, länger zuhause bleiben zu können. Bislang fehlt hierfür jedoch die gesetzliche Grundlage.