Jeden Tag engagieren sich viele Menschen in Baden-Württemberg kompetent, einfühlsam und empathisch für das Wohl der zu Pflegenden. Es ist eine große Herausforderung, im Routinebetrieb alltäglicher Pflege immer wieder neu die Individualität von Pflegebedürftigen wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Denen, die dies täglich tun, ist unsere Gesellschaft zu Dank und Anerkennung verpflichtet.

Doch bedauerliche Fehler Einzelner, persönliche Gleichgültigkeit oder das Versagen in Führung und Kontrolle lassen in einer modernen Mediengesellschaft häufig das Bild von regelhaft skandalösen Zuständen in der Pflege entstehen. Dies ist falsch, aber jeder Fall ist einer zu viel. Den Heimaufsichten und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kommt daher die wichtige Funktion zu, auf Missstände hinzuweisen und diese abzustellen.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Baden-Württemberg haben - einzigartig in Deutschland - den MDK beauftragt, im Zuge der Qualitätsprüfungen auch sogenannte "kritische Ereignisse" in der Pflege (zum Beispiel Wundliegen oder Flüssigkeitsmangel) festzustellen und sofort die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten.

Humanität in der Pflege ist ein dauerndes Lernfeld, eine täglich neue, unbequeme Herausforderung. Seit Jahren beteiligt sich die TK-Landesvertretung aktiv am Runden Tisch der Landeshauptstadt Stuttgart, um gemeinsam Strategien zur Prävention und zum Abbau von Gewalt und Überforderung in der Pflege zu entwickeln. Dabei können auch erste Erfolge verzeichnet werden: Lange waren Bettgitter, Bauchgurte und Medikamente in Pflegeheimen gängige Mittel, um insbesondere demenzkranke Pflegebedürftige vor schweren Stürzen oder dem Weglaufen zu bewahren.

Fixierungsmaßnahmen bedürfen ganz besonderer juristischer Legitimation. Inzwischen wird die menschliche und rechtliche Problematik solcher freiheitseinschränkender Maßnahmen deutlicher erkannt. Initiativen wie "Stuttgart ohne Fixierung" und ähnliche regionale Projekte in Freiburg und Karlsruhe vermitteln ein zunehmendes Problembewusstsein. Sie tragen zum Rückgang der freiheitseinschränkenden Maßnahmen in Heimen bei, weil Pflegeheime, Betreuungsgerichte, Betreuungsbehörden und Heimaufsichten verstärkt Alternativen prüfen. Dies ist ein wichtiger Beitrag für mehr Humanität in der Pflege.

Die TK schlägt vor:

Die bisher regional vereinzelt existierenden Initiativen, die in ihrem Wirkungsbereich schon eine Reduzierung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in Pflegeheimen um ein Viertel erreicht haben, werden flächendeckend etabliert. Stadt- und Landkreistag sollten die Kommunen landesweit für dieses Thema sensibilisieren und einen Austausch im Sinne eines Best Practice anregen. Ziel ist, dass Betreuungsbehörden und Heimaufsichten aller Kommunen zusammen mit weiteren relevanten Partnern (wie Amtsgerichte, Pflegeheime und MDK) die Initiative für eine nachhaltige Reduzierung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in Pflegeheimen ergreifen.

#Update Altenpflege - Impulspapier der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg