Nur wenn es gelingt, die Attraktivität der Pflegeberufe zu stärken, kann die erforderliche Anzahl der Beschäftigten im Bereich der Pflege erreicht werden.

In Baden-Württemberg müssen noch viel mehr Menschen dafür begeistert werden, die Betreuung Pflegebedürftiger zu ihrem Beruf zu machen. Wenn dies nicht gelingt, droht ein Notstand in der Versorgung. Laut Hochrechnungen des Statistischen Landesamtes wird bis zum Jahr 2030 die Zahl der Menschen, die professionelle Pflege benötigen, auf etwa 218.000 steigen. Das sind rund 42 Prozent mehr als die baden-württembergische Pflegestatistik für 2013 ausweist. Soll das Verhältnis von Pflegebedürftigen zu pflegenden Personen gleich bleiben, muss die Zahl der im Pflegebereich Beschäftigten von derzeit rund 130.000 auf 173.000 ansteigen.

Beschäftigungspotentiale heben

Die dafür notwendigen Weichenstellungen müssen bei den heute Pflegenden beginnen. Hier liegen große, kurzfristig aktivierbare Beschäftigungspotenziale. Zunächst gilt es zu verhindern, dass Altenpflegekräfte ihren Beruf nach kurzer Zeit wieder verlassen; wenngleich die Statistiken eine große Spannbreite in der Verweildauer aufweisen. Zudem üben in Baden-Württemberg rund 65 Prozent aller ambulant und in stationären Pflegeeinrichtung tätigen Pflegekräfte ihren Beruf nur in Teilzeit aus. Fehlende flexible Arbeitszeitmodelle, zum Beispiel für Rückkehrer, sowie fehlende Angebote im betrieblichen Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz könnten ein Grund dafür sein. Daher gilt es, bestehende Hindernisse bei der Gewinnung neuer Pflegekräfte und der beruflichen Rückkehr in die Pflege zu identifizieren und zu beseitigen.

Attraktivität steigern

Um die Zahl der Pflegekräfte - insbesondere in der Altenpflege - zu erhöhen, muss der Beruf attraktiver werden. Dabei ist eine angemessene Vergütung wichtig. Zwar werden im bundesweiten Vergleich in Baden-Württemberg bereits die höchsten Gehälter in der Altenpflege bezahlt. Dennoch tritt die TK-Landesvertretung Baden-Württemberg dafür ein, dass auch in unserem Land Pflegende noch besser bezahlt werden. Die Leistungsfähigkeit von Pflegebedürftigen und Sozialhilfeträgern muss dabei allerdings gewahrt bleiben.

Die TK schlägt vor:

Der Sektorenübergreifende Landesausschuss, erweitert um relevante Akteure aus dem Pflegebereich, entwickelt einen Masterplan für Pflegeberufe. Dabei sollten vier Themenbereiche im Zentrum gemeinsamer Absprachen stehen:

◾Eine Überprüfung des Vergütungsgefüges in der Pflege mit dem Ziel, finanzielle Beschäftigungsanreize zu geben, ohne das im Bundesvergleich hohe Vergütungsniveau im Land außer Acht zu lassen.

◾Eine größere Lohnspreizung, die den Anreiz zur Weiterbildung erhöht und die Qualität der pflegerischen Versorgung stärkt.

◾Eine moderne Arbeitsorganisation, die mit flexiblen Arbeitszeiten und variablen Tätigkeitsinhalten den jeweiligen Lebensphasen der Pflegenden gerecht wird. Unterstützend hierzu sollte jede Einrichtung konkrete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention für die Mitarbeiter vorsehen.

◾Neue Karrierepfade und Aufgabenfelder, die die berufliche Laufbahn "am Bett" und im unmittelbaren Umfeld interessanter machen.

Mehr Geld allein reicht allerdings nicht aus, wenn sich nicht zugleich die konkreten Arbeitsbedingungen verbessern und die Arbeitsorganisation insgesamt flexibler wird. Ein Baustein hierfür ist der gesetzliche Auftrag der Krankenkassen, mehr Geld in die Gesundheitsprävention von Pflegenden und Pflegebedürftigen zu investieren. Die TK engagiert sich dabei im Rahmen ihres Programms PROCARE an mehreren Standorten in Baden-Württemberg.

Die von vielen Pflegenden beklagte Arbeitsverdichtung mit negativen Auswirkungen auf das Qualitätsniveau kann ihre Ursache aber auch in organisatorischen Defiziten haben, die bei entsprechendem Know-how vermeidbar wären.


Die TK schlägt vor:

Um die Attraktivität des Berufsbilds Pflege öffentlich zu stärken, wird in Baden-Württemberg jährlich ein landesweiter Award "Lebenswerter Arbeitsplatz Pflege" vergeben. Eine fachkundige Jury zeichnet besonders attraktive Arbeitszeit- und Organisationsmodelle sowie innovative Ansätze zum betrieblichen Gesundheitsmanagement für Pflegekräfte aus, die die Lebensqualität von Pflegenden am Arbeitsplatz spürbar verbessern. Dabei wird der innovative Einsatz digitaler Unterstützungssysteme besonders gewürdigt. Die TK ist bereit, sich an der Organisation, Finanzierung und Durchführung eines solchen Awards relevant zu beteiligen.
 

#Update Altenpflege - Impulspapier der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg