Stuttgart, 10. April 2019. Die Techniker Krankenkasse (TK) appelliert an die Landesregierung, im Rahmen eines "Masterplans Pflege" ein Konzept zu entwickeln, wie sowohl die fachliche als auch die soziale Integration von ausländischen Beschäftigten in der Altenpflege verbessert werden kann.

Zahl ausländischer Pflegekräfte fast verdoppelt

Nach Angaben der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg ist die Zahl sozialversicherungspflichtiger ausländischer Beschäftigter in Pflegeheimen im Südwesten zwischen 2013 und 2018 von 6.576 auf 12.954 angestiegen. Der Anteil an den Beschäftigten insgesamt hat sich damit von 9,2 auf 17,2 Prozent fast verdoppelt. Damit weist Baden-Württemberg mit deutlichem Abstand vor Hamburg (14,5 Prozent) den höchsten Wert unter allen Bundesländern auf. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,5 Prozent. Die TK bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. Juni. 

Masterplan auf den Weg bringen

"Rund jede fünfte Pflegekraft in der Altenpflege kommt aus dem Ausland. Wenn es gelingt, für diese Beschäftigten eine Willkommenskultur in Baden-Württemberg zu etablieren, erhöht das deren Motivation, langfristig und ambitioniert in Deutschland zu arbeiten. Sprachbarrieren werden schneller überwunden. Für Pflegebedürftige mit Migrationshintergrund bieten sich bessere Chancen für kultursensible Pflege", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Sein Vorschlag: "Der beim Sozialministerium angesiedelte Sektorenübergreifende Landesausschuss sollte den Masterplan auf den Weg bringen." In dem Ausschuss sind alle an der Gesundheitsversorgung im Land beteiligten Akteure auf oberster Ebene vertreten.

Informationsplattform Pflege

Nach den Vorstellungen der TK sollte das Konzept auch den Aufbau einer internetbasierten "Informationsplattform Pflege" beinhalten. "Darin könnten für ausländische Beschäftigte allgemeine Informationen zum deutschen Gesundheitswesen ebenso wie Kursangebote, Mentoren-Programme oder ein Online-Chat mit anderen ausländischen oder deutschen Pflegekräften zur Verfügung gestellt werden", betonte Vogt.

Hintergrundinformationen

Die vom Landtag Baden-Württemberg eingesetzte Enquetekommission Pflege legt in ihren Empfehlungen den einzelnen Einrichtungen nahe, "Konzepte für eine Willkommenskultur - d.h. eine aktive Begleitung in der Anfangszeit - zu erarbeiten und umzusetzen".

Damit scheinen jedoch viele Heime überfordert zu sein. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die bislang praktizierten "Strategien des betrieblichen Integrationsmanagements die Abgrenzung verstärken und wenig förderlich für eine gleichberechtigte Verständigung sind".

Die Folge ist, dass sich Pflegekräfte aus dem Ausland häufiger als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen von Informationen ausgeschlossen oder von Vorgesetzten schlecht behandelt fühlen.