Berlin/Potsdam, 20. September 2021. Viele Pflegebedürftige verzichten - oft unbewusst - auf viel Geld: Nicht mal die Hälfte der TK-versicherten Menschen in Berlin und Brandenburg, die auf Pflege angewiesen sind, stellt einen Antrag auf "Entlastungsleistungen". Das ergab eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK).

Allerdings ist die Nachfrage im vergangenen Jahr gestiegen: In Berlin legte die Inanspruchnahme 2020 gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent zu. In Brandenburg betrug das Plus sogar 17,9 Prozent.

Ein Grund für die noch immer niedrige Zahl an Anträgen ist zum einen die geringe Bekanntheit der "Entlastungsleistungen": Pflegebedürftigen Menschen, die nicht in einer Einrichtung versorgt werden, stehen im Monat 125 Euro zur Verfügung. Davon können zum Beispiel Betreuungsangebote und bestimmte Pflegeleistungen, aber auch Haushaltshilfen abgerechnet werden, um die Betroffenen sowie pflegende Angehörige und pflegende Freunde zu unterstützen.

Mehr Flexibilität statt Bürokratie

Daneben wird die Inanspruchnahme auch durch Bürokratie erschwert: Momentan müssen für Kosten, die über 125 Euro liegen, die Beträge mehrere Monate angespart werden. Bei 750 Euro wäre das ein halbes Jahr. Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin und Brandenburg, setzt sich deshalb dafür ein, das Monatsbudget von 125 Euro durch ein Jahresbudget von 1.500 Euro zu ersetzen.

Susanne Hertzer: "Die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst - und sie verändern sich. Wir brauchen deshalb mehr Flexibilität bei den Entlastungsleistungen. Denn Unterstützung, die heute dringend gebraucht wird, darf es nicht erst morgen geben." 

Unterstützung für pflegende Angehörige

Angehörige und Freunde tragen die Hauptlast bei der Pflege. Die TK hält deshalb verschiedene Angebote bereit, um sie bei ihrer physisch und psychisch anspruchsvollen Aufgabe zu unterstützen unter anderem den TK-Pflegecoach.  Das Onlineangebot pflegen-und-leben.de bietet pflegenden Angehörigen psychologische Unterstützung in Belastungssituationen.