Mainz, 11. März 2020. Nur knapp die Hälfte (47,3 Prozent) der bei der Techniker Krankenkasse (TK) anspruchsberechtigten Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz nutzten 2019 die so genannte "Entlastungsleistungen". Dies teilt die Landesvertretung der TK heute mit und bezieht sich bei diesen Angaben auf eine Analyse ihrer Pflegeversicherung. "Durch Befragungen wissen wir, dass die Mehrheit älterer Menschen sich wünscht, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu dürfen. Das gilt auch dann noch, wenn sie auf die Fürsorge anderer angewiesen wären", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. Hierbei könnten Entlastungsleistungen helfen. "Bei Entlastungsleistungen handelt es sich um eine monatliche Unterstützung in Höhe von bis zu 125 Euro, die von Menschen in der häuslichen Pflege genutzt werden können", führt Simon aus.

Ungenutzte Leistungsbeträge sind übertragbar

Der Betrag ist zweckgebunden und soll für qualitätsgesicherte Unterstützung durch Pflege- und Betreuungsdienste oder nach Landesrecht anerkannte Anbieter verwendet werden. Damit erhalten Pflegebedürftige beispielsweise Hilfe in Form von Einkaufsgängen oder Unterstützung bei der Haushaltsführung. Darüber hinaus kann der Betrag auch zur Erstattung von Aufwendungen dienen, die bei der Inanspruchnahme von Leistungen der Tages- oder Nachtpflege entstehen. "Wird das Budget in Höhe von bis zu 125 Euro im Monat nicht ausgeschöpft, wird der Restbetrag auf die jeweils darauffolgenden Kalendermonate übertragen. Ungenutzte Leistungsbeträge werden bis zu 1.500 Euro addiert und können noch bis Ende Juni des Folgejahres abgerufen werden", erläutert TK-Landesvertretungsleiter Simon.  

TK fordert Jahresbudget

Ein Knackpunkt ist aus Sicht der Kasse allerdings das relativ unflexible monatliche Budget: Zwar ist es möglich, die monatlichen Ansprüche anzusparen, eine größere Summe kann jedoch erst dann ausgegeben werden, wenn sie zurückgelegt wurde. "Bei einer Kurzzeitpflege kann der fällige Eigenanteil das monatliche Budget von 125 Euro schon innerhalb weniger Tage übersteigen. Reichen Versicherte eine höhere Rechnung ein, können wir diese nicht ohne weiteres erstatten. Daher wäre es sinnvoll, statt der monatlichen 125 Euro ein Jahresbudget von 1.500 Euro zu schaffen, das die Pflegebedürftigen jederzeit flexibel einsetzen können“, fordert Simon.

Angebot scheint zu wenig bekannt

Aktuell sind in Rheinland-Pfalz mehr als 161.000 Menschen auf Pflege angewiesen. Ein Großteil von ihnen (77 Prozent) wird nach wie vor von Angehörigen zu Hause gepflegt. "Wie pflegende Angehörige bei einer Forsa-Umfrage angaben, leiden 59 Prozent häufig unter Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Weitere 45 Prozent klagten über Erschöpfungsgefühle und dem Empfinden ausgebrannt zu sein. Umso wichtiger ist es, dass Pflegebedürftige und Pflegende vorhandene Angebote in Anspruch nehmen. Die Möglichkeit, Entlastungsleistungen zu beantragen, scheint allerdings zu wenig bekannt zu sein", betont der TK-Landesvertretungsleiter.

Digitale Angebote für Pflegende

Ergänzend zu den klassischen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bietet die TK verschiedene digitale Angebote für Pflegebedürftige und deren Angehörige an. Beispielsweise können Angehörige auf www.tkpflegecoach.de einen digitalen Pflegekurs absolvieren und in Belastungssituationen über das Onlineportal www.pflegen-und-leben.de psychologische Unterstützung bekommen.