TK: Was bedeutet Gelassenheit bzw. Humor für Sie persönlich?

Felix Gaudo: Humor ist meine Kraftquelle und Ressource. Humor ist für mich die Haltung die uns alle entspannt, die uns hilft, in angespannten Situationen gelassen zu reagieren, tatsächlich konstruktiv aus Fehlern zu lernen und mit einer Blamage heiter umzugehen. Humor ist für mich die Schlüssel-Kompetenz für mehr Freude und Begeisterung im Leben. Und die wichtigste Erkenntnis für mich ist: Humor ist eine Lebenskunst, die wir alle trainieren können.

Felix Gaudo

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Redner, Moderator, Trainer, Autor und Kabarettist

TK: Wie kam es, dass Sie gerade in Kliniken und vor Pflegekräften Seminare hinsichtlich der Bedeutung von Gelassenheit und Humor geben?

Gaudo: Durch meine Bühnenkarriere als Komiker und Clown traf ich vor vielen Jahren Eckart von Hirschhausen. Damals überredete ich Ihn, sein Studium zu unterbrechen und mit mir eine Weile im Zirkus zu arbeiten. Danach haben wir einige Jahre als Comedy-Duo und mit weiteren Kollegen in der Comedy Show Think-Theatre gemeinsam auf der Bühne gestanden und sind seitdem eng verbunden.

Er holte mich in seine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN, in der ich u.a. Humor-Workshops für Pflegepersonal und Auszubildende gebe. Auch mein nebenberufliches Engagement als Klinikclown und meine Vorstandsarbeit bei den Clown Doktoren helfen mir, viel von den Dauerbelastungen in Pflegeberufen mitzubekommen. Humor als Haltung zu verstehen und diese zu trainieren, ist meiner Meinung nach die beste Grundlage, um trotz Belastungen die Freude am Beruf zu erhalten.

TK: Können Arbeitgeber einen Rahmen bzw. Bedingungen bieten, damit es mehr Anlässe für Gelassenheit im Alltag gibt?

Gaudo: Oh ja! Google hat mit seiner Studie "re work" deutlich gemacht, dass der wichtigste Faktor für erfolgreiches Arbeiten im Team, die sogenannte "psychologische Sicherheit" ist. Also die Sicherheit für jeden im Team, seine Meinung sagen zu dürfen, auch wenn alle anderen anderer Meinung sind und vor allem offensiv mit den eigenen Fehlern umgehen zu dürfen, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen. Das heißt, flache Hierarchien, Kommunikation auf Augenhöhe und eine offene konstruktive Fehlerkultur sind gute Grundlagen für Freude am Arbeiten, innere Gelassenheit und Identifikation mit dem Unternehmen.
 
TK: Können schwierige Emotionen durch gewisse Strategien im Pflegealltag so besser reguliert werden? 

Gaudo: Ja, emotionale Belastungen werden durch das Training an einer humorvollen Haltung deutlich gemildert. Immer wieder arbeite ich mit Teams aus dem Palliativbereich und erlebe wie wichtig gerade dort die Humorbrille ist. Gleichzeitig hilft uns Humor in der Kommunikation, um angespannte Situationen zu deeskalieren. Werden wir von jemanden persönlich angegriffen, reagieren wir häufig schnell mit Gegenangriff oder Flucht. Beides sind Verhaltensweisen, die uns zwar früher das Überleben sicherten, zum Deeskalieren allerdings völlig ungeeignet sind. Beim verbalen Angriff: "Du hast ja nicht alle Tassen im Schrank!" nicht beleidigt oder aggressiv zu reagieren, sondern gelassen: "Doch, sind noch alle da, nur ein paar Henkel fehlen." ist reine Trainingssache und es ist schönerweise ein Training, das großes Vergnügen bereitet.

Zur Person

Felix Gaudo ist Redner, Moderator, Trainer, Autor und Kabarettist. Der gelernte Schauspieler steht seit 30 Jahren auf den Bühnen. Seine Bühnenkarriere begann er als Clown, Komiker und Moderator. Inzwischen hält er Vorträge und Seminare. Er arbeitet als Humor-Experte für Unternehmen, Pädagogen und im Gesundheitswesen. Für die Stiftung Humor Hilft Heilen von Eckart von Hirschhausen arbeitet er als Dozent an Pflegeschulen. 

Nebenberuflich ist er als Klinikclown tätig, ist Vorstandsmitglied der CLOWN DOKTOREN und ist Autor des Buches "Lachend Lernen - Humortechniken für den Unterricht". 2011 wurde er mit dem Trainer-Preis "Launeus-Award" ausgezeichnet.