Berlin/Potsdam, 12. Februar 2020. Fast die Hälfte der TK-versicherten Pflegebedürftigen in Berlin und Brandenburg beantragt keine sogenannten "Entlastungsleistungen" der Pflegekasse und verzichtet damit auf finanzielle Unterstützung. Das meldet die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin und Brandenburg und bezieht sich auf eine eigene Auswertung. 

In beiden Ländern steigt aber die Inanspruchnahme. Der bundesweite Trend zeigt einen Zuwachs von vier Prozentpunkten im zweiten Halbjahr 2019. In Berlin sind es sogar 4,5 Prozentpunkte, dafür hat die Mark nur um 3,5 Prozentpunkte zugelegt. 

Um Pflegebedürftige und Pflegende zu entlasten, stehen monatlich 125 Euro zur Verfügung. "Die Angehörigen tragen die Hauptlast der Pflege und sind oft stark strapaziert, eine Entlastungsleistung kann hilfreich sein", sagt Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin und Brandenburg. Als Entlastungsleistungen lassen sich zum Beispiel Betreuungsangebote und bestimmte Pflegeleistungen, aber auch Haushaltshilfen abrechnen. So sollen sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige unterstützt und ihr Alltag erleichtert werden. 

Hürden abbauen 

Neben zu geringer Bekanntheit der Entlastungsleistungen erschwert auch so manche bürokratische Hürde die Inanspruchnahme. Hertzer: "Ein starrer Monatsbetrag steht gegen die variablen Bedürfnisse im Laufe des Jahres." Momentan müssen für Kosten, die über 125 Euro liegen, die Beträge mehrere Monate angespart werden. Bei 750 Euro wäre das ein halbes Jahr. Hertzer schlägt deshalb vor, dass es statt der monatlichen 125 Euro ein flexibel einsetzbares Jahresbudget von 1.500 Euro geben soll.

Unterstützung für pflegende Angehörige 

Die TK unterstützt pflegende Angehörige mit zusätzlichen Angeboten. Dazu gehört die Möglichkeit, einen digitalen Pflegekurs zu absolvieren. Durch das Onlineangebot pflegen-und-leben.de erhalten pflegende Angehörige psychologische Unterstützung in Belastungssituationen. Das Kursangebot "Pflegen und sich pflegen lassen" ermöglicht Angehörigen, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, während andere die Pflege übernehmen.

Hinweis für die Redaktion

Stichtagsbetrachtung für die Datenabfrage war der Vergleich Juni zum Dezember 2019. Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI: Ab Pflegegrad 1 stehen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege monatlich bis zu 125 Euro zu. Weitere Angebote zur Unterstüzung im Alltag stehen unter  tk.de

Daten zur aktuellen Pflegesituation in Berlin und Brandenburg sowie bundesweit gibt es beim Statistischen Bundesamt, Suchbegriff "Pflege".