München, 15. September 2019. Nur 45,8 Prozent der TK-versicherten Pflegebedürftigen in Bayern nehmen Entlastungsleistungen der Pflegekasse in Anspruch. Das sind vier Prozent weniger als im bundesweiten Schnitt von 49,8 Prozent wie eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zur ersten Bayerischen Demenzwoche ergab. 


Im Freistaat sind derzeit rund 240.000 Menschen an Demenz erkrankt, die fast immer zur Pflegebedürftigkeit führt. Häufigste Ursache einer Demenz mit mindestens zwei Drittel der Krankheitsfälle ist die Alzheimerkrankheit. "Pflegebedürftigen stehen pro Monat 125 Euro zu, um die Pflegenden zu entlasten. Da über 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut werden, tragen vor allem die Angehörigen den größten Anteil der Belastung", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern.

Entlastungsleistungen - Hürden abbauen und mehr Flexibilität 

Bisher riefen im Jahr 2019 rund eineinhalb Prozent mehr Betroffene Entlastungsleistungen ab als im Vergleichszeitraum 2018. Dennoch profitiert noch immer nicht einmal jeder zweite Pflegebedürftige in Bayern davon. Dabei könnten vor allem Demenzkranke beispielsweise durch den wöchentlichen Besuch einer Sing- und Bastelgruppe oder durch kreative Tätigkeiten zu Hause mit einem geschulten ehrenamtlichen Pflegebegleiter ihre Fähigkeiten erhalten oder sogar verbessern. 

Neben zu geringer Bekanntheit der Entlastungsleistungen erschwert auch so manche bürokratische Hürde die Inanspruchnahme. Bredl: "Wenn Versicherte bei der TK im Januar eine Rechnung über 800 Euro für Entlastungsleistungen einreichen, können wir diese nicht ohne Weiteres erstatten. Kommt die Rechnung mit dem gleichen Betrag im November, ist es kein Problem. Hier brauchen wir mehr Flexibilität." Der bayerische TK-Chef schlägt deshalb vor, statt der monatlichen 125 Euro sollte es ein flexibel einsetzbares Jahresbudget von 1.500 Euro geben. 
 

TK baute digitale Unterstützung für pflegende Angehörige kontinuierlich aus 

Die TK unterstützt pflegende Angehörige mit zusätzlichen Angeboten. Dazu gehört die Möglichkeit, auf www.tkpflegecoach.de einen digitalen Pflegekurs zu absolvieren. Das Kursangebot "Pflegen und pflegen lassen" ermöglicht Angehörigen, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, während andere die Pflege übernehmen. Die Kursreihe "Begleitung im Andersland" richtet sich speziell an Angehörige von Menschen mit Demenz und durch das Onlineangebot pflegen-und-leben.de erhalten pflegende Angehörige psychologische Unterstützung in Belastungssituationen. 

Information

Die Aktionen vor Ort in der kommenden Woche sowie alles zum 5. Bayerischen Fachtag Demenz in Augsburg stehen unter www.stmgp.bayern.de/pflege/demenzwoche. Unter Angebote zur Unterstützung findet man die anerkannten Entlastungsangebote in Bayern sowie die Kontaktadressen vor Ort.
 

Hinweis für die Redaktionen

Der Stichtag für die Datenabfrage war 2018 und 2019 jeweils der 30. Juni. Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI: Ab Pflegegrad 1 stehen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege monatlich bis zu 125 Euro zu. Weitere Infos zu den  Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Von den rund 400.000 Pflegebedürftigen in Bayern werden derzeit über 280.000 zu Hause versorgt. Daten zur aktuellen Pflegesituation gibt es beim Statistischen Bundesamt ,Suchbegriff "Pflege" und bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V..