München, 15. Juni 2021. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf 4,1 Millionen verdoppelt. Das Demografieportal des Bundes und der Länder rechnet mit einem Anstieg der pflegebedürftigen Menschen bis 2040 auf über 5,3 Millionen. Allein in Bayern sind mittlerweile fast eine halbe Million Menschen pflegebedürftig. 

"Dabei steigt nicht nur die Zahl der Pflegebedürften, sondern die Pflege wird auch immer komplexer", so Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. "Die Bedarfe der betroffenen Menschen werden zunehmend differenzierter. Das hat unter anderem zur Folge, dass immer mehr Menschen als Pflegende benötigt werden, deren Arbeit zugleich belastender wird." Für Bredl sind langfristige Finanzierung von Pflege, die Unterstützung von Pflegenden und besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege die zentralen gesellschaftlichen Zukunftsthemen in unserem Land. 

Vier Kernthemen für eine erfolgreiche Pflegezukunft

Der bayerische TK-Chef skizziert vier Kernbereiche, um die Zukunftsaufgabe "Pflege" erfolgreich zu gestalten: Die Pflegeversicherung braucht so schnell wie möglich eine Reform, die die finanziellen Lasten auf viele Schultern verteilt. Pflegende Angehörige müssen gezielt entlastet werden. Die Arbeit in der Pflege muss attraktiver werden. Außerdem muss die Pflege verstärkt digitaler werden. 

Mit nachhaltiger Finanzierung Betroffene entlasten

Im Pandemiejahr 2020 hat die amtierende Regierungskoalition erstmals einen Steuerzuschuss für die Pflegeversicherung beschlossen. Damit sollten auch die Gepflegten von steigenden Eigenanteilen entlastet werden. Bredl fordert, dass es nicht beim einmaligen Steuerzuschuss bleibt. Der Staat soll sich dauerhaft finanziell an der Pflegeversicherung beteiligen. Die Beitragszahler können die Herausforderungen alleine in der Zukunft nicht mehr bewältigen.

Um die Betroffenen und deren Angehörigen sofort zu entlasten, schlägt die TK vor, die Leistungsbeträge jetzt einmalig anzuheben und künftig jährlich zu dynamisieren. Bredl: "Die Gegenfinanzierung kann kurzfristig durch die Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige durch den Bundeshaushalt erfolgen". 

Damit es künftig zu keiner finanziellen Schieflage kommt, sollte die jährliche Dynamisierung der Leistungsbeträge verbindlich sein und gleichzeitig mit dem Steuerzuschuss des Bundes gekoppelt werden. Daneben sollte es zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung einen Finanzausgleich geben und die Bundesländer sollten endlich verbindlich dazu verpflichtet werden, die Investitionskosten für Pflegeeinrichtungen in ihrem Bundesland zu übernehmen.

Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessern

"In der professionellen Pflege würde ich die tarifvertragliche Entlohnung der Pflegekräfte begrüßen. Das alleine reicht aber noch nicht, um die Bedingungen nachhaltig zu verbessern", so Bredl. Der bayerische TK-Leiter schlägt neben der besseren Vergütung vor, mit finanziellen Anreizen zur Weiterbildung die Qualität der pflegerischen Versorgung zu erhöhen, attraktive Rückkehrangebote nach einer beruflichen Auszeit zu schaffen und die Arbeit so zu organisieren, dass auch ältere Pflegekräfte im Beruf bleiben können. Auch neue Karrierepfade und Aufgabenfelder, die das Berufsfeld Pflege attraktiver machen, sollten etabliert werden. 

Die Pflege von morgen wird digital 

Informationsportale mit tagesaktuellen Angeboten für Pflegeplätze, digitaler Pflegeantrag, Online-Schulung für pflegende Angehörige, Online-Entscheidungshilfen für Pflegende - es gibt schon viele Angebote und Services einzelner Institutionen oder Krankenkassen wie die der TK . "Im 21. Jahrhundert müsste es selbstverständlich sein, das alle entlastenden digitalen Angebote allen Betroffenen in Deutschland zur Verfügung stehen", meint Bayerns TK-Chef. "Die Politik könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen und zum Beispiel den Leistungskatalog der Pflegeversicherung digitalisieren." 

Außerdem müssen E-Lösungen für Pflegehilfsmittelverzeichnisse, technische Assistenz und Überwachungssysteme sowie Zulassungsmöglichkeiten für digitale Pflegeanwendungen konsequent genutzt und weiterentwickelt werden.