TK: Anfang November haben Sie sich das Projekt PEKo im Alten- und Pflegeheim Anlagenring in Frankfurt angeschaut. Was hat Sie vor Ort besonders beeindruckt?

Yanki Pürsün: Der erste Eindruck, der bei mir hängengeblieben ist, war die Ruhe im Haus. Es herrschte eine sehr entspannte und beruhigende Atmosphäre. Sicherlich hat dies auch einiges mit dem ganzheitlichen Ansatz der Einrichtung zu tun. Alles war sehr gut organisiert und aufeinander abgestimmt. Die Offenheit und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten war zu spüren.

Yanki Pürsün

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Abgeordneter im Hessischen Landtag, Sprecher der FDP-Fraktion u.a. für Gesundheit und Soziales
TK: Was halten Sie insgesamt vom Projekt?

Pürsün: Starke Abhängigkeitsverhältnisse sind immer eine Herausforderung. Gerade vor diesem Hintergrund ist Sensibilität wichtig, um eine starke Vertrauensbasis zu schaffen. Dieses Ziel ist mir sehr wichtig und daher halte ich das Projekt PEKo für sehr sinnvoll.

TK: Haben Sie sich in Ihrer politischen Laufbahn bereits zuvor mit dem Thema Gewaltprävention in der Pflege beschäftigt?

Pürsün: Das Thema Gewaltprävention ist in vielen Politikfeldern allgegenwärtig. Überall wo es Menschen gibt, besteht die Gefahr, dass Macht missbraucht und Gewalt angewendet wird. Ich habe schon des Öfteren Kontaktpunkte mit der Thematik Gewalt gehabt, aber nicht in der Pflege. Es ist eine Selbstverständlichkeit und unsere elementare Aufgabe, gerade die verwundbarsten Mitglieder unserer Gesellschaft zu schützen.

TK: Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um Gewalt in der Pflege vorzubeugen?

Pürsün: Ich denke, man kann der Problematik mit einer Kombination aus drei Maßnahmen begegnen: der Verpflichtung, der Vorsorge und dem Personal. Die Gesellschaft und die Politik müssen sich stärker verpflichten, Gewaltprävention anzugehen. Mehr Aufmerksamkeit und Gelder sollten in die Prävention von Gewalt fließen, sowie in die Unterstützung des Personals in den Alten- und Pflegeheimen. Gut vorbereitete und unterstützte Pflegekräfte haben die Ressourcen, die Stärke und die Zeit, effektive Präventionsprogramme mitzutragen, und Gewalt zu verhindern.

TK: Auf Ihrer Webseite kündigen Sie an, sich im Landtag für eine deutliche Verbesserung im Bereich der Pflege einsetzen zu wollen. Welche Aspekte haben Sie dabei besonders im Blick?

Pürsün: Ein personenzentrierter Ansatz mit humanen Arbeitsbedingungen und wertgeschätztem Personal, welches durch eine weitgehende Digitalisierung unterstützt wird, ist meiner Meinung nach der richtige, ganzheitliche Ansatz. Eine Branche, in der die Fachkräfte nicht genügend wertgeschätzt werden, in der schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und die sich nicht die Vorteile neuer Technologien zunutze macht, ist schlecht für die auf sie zukommenden Herausforderungen gewappnet.

Zur Person

Yanki Pürsün wurde 1972 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann in Köln, Frankfurt und Taschkent (Usbekistan). Seit 1992 ist er Mitarbeiter der Deutschen Lufthansa AG. Im gleichen Jahr trat Pürsün der FDP bei. Von 2002 bis 2011 und seit 2016 ist er Stadtverordneter in Frankfurt. Am 18. Januar 2019 zog er erstmals als Abgeordneter in den Hessischen Landtag ein. Pürsün ist Sprecher der FDP-Fraktion für mehrere Themen, unter anderem für Gesundheit, Soziales, Migration und Integration. Er ist Mitglied des Sozial- und Integrationspolitischen Ausschusses des Hessischen Landtags.